Telekommunikation : Internetversorgung: Hilfe von oben

Satelliten sollen Haushalte mit Internet versorgen – Kabel verlegen ist in Brandenburg oft zu aufwendig.

Andreas Wilhelm

Potsdam – Noch gibt es sie, die weißen Flecken: Regionen in Deutschland, die noch nicht über eine schnelle Internetverbindung verfügen können. Oft ist die Verlegung der Kabel in dünn besiedelten Gebieten auf dem Land schlicht zu aufwendig. In Brandenburg sind es noch etwa 400 000 Haushalte, die deswegen entweder ohne oder nur mit einer sehr langsamen Verbindung auskommen müssen. Das soll sich bald ändern – mit Hilfe aus 36 000 Kilometern Höhe.

Dorthin, in die sogenannte geostationäre Umlaufbahn, will die Firma SES Astra Ende 2009 einen neuen Satelliten schießen. Der mehrere Tonnen schwere Himmelskörper wird zur Zeit beim Europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in Frankreich fertig gebaut. 35 000 Kunden in zwölf europäischen Ländern bedient Astra, monatlich kommen 5000 neue Haushalte hinzu. Doch auch Astras europäischer Konkurrent Eutelsat aus Paris verspricht für Mitte nächsten Jahres den Start eines neuen Satelliten. Astra und Eutelsat, die in Deutschland jeweils mit drei Internetanbietern zusammenarbeiten, buhlen damit um die letzten Kunden, die in den ländlichen Regionen auf schnelle Verbindungen warten. Ein Wettbewerb, der laut Bundesregierung in einem Jahr entschieden sein soll. Sie strebt eine hundertprozentige Breitbandabdeckung in ländlichen Regionen bis 2010 an. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) drängt sogar auf Ende 2009, auch Kommunen und Landkreise hoffen auf eine schnelle Lösung. Weil Privatpersonen die Wahl ihres Wohnortes und Gewerbetreibende die Wahl des Firmensitzes auch von einem möglichen Zugang zum Internet abhängig machen.

Wichtigster Wettbewerber in der Gunst um weit abgelegene Kunden in der Mark dürfte ein Projekt der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg und T-Mobile sein. Die Initiatoren prüfen derzeit, ob stillgelegte Rundfunk-Frequenzen auch zur DSL-Übertragung taugen. Astra-Sprecherin Nina McDonagh sieht den Satelliten jedoch klar im Vorteil. Bei der Rundfunk-Technologie sei es fraglich, ob die gesetzlichen Grundlagen bis 2010 stimmen. Zudem hätten viele Menschen Vorurteile gegenüber den Funkwellen und die Satelliten-Variante sei jahrelang erprobt. Für den Empfang benötigen die Nutzer – ähnlich wie beim Fernsehen – eine Satellitenschüssel und einen Receiver. Generell gelte die Faustregel: je größer die Schüssel, desto stabiler der Empfang, sagt Manfred Breul, Telekommunikationsexperte vom Hightech-Bundesverband Bitkom. Mit Kabel-Internetsignalen könne aber selbst die größte Schüssel nicht mithalten. Ein Grund sei der lange Weg. „Wenn man beispielsweise eine Internetseite aufruft, muss das Signal erst vom Kunden zum Satelliten, dann zur Bodenstation und denselben Weg wieder zurück“, sagt Breul. „Also viermal 36 000 Kilometer. Da kann schon mal eine halbe Sekunde zusammenkommen.“ Besonders bei dynamischen Internetseiten oder gar interaktiven Spielen mit geringen Reaktionszeiten könne das zum Problem werden. Für Nutzer mit gewöhnlichen Ansprüchen sei die Technologie aber durchaus geeignet.

Allerdings kosten die Geräte viel Geld. Für die Sat-Schüssel mit Sende- und Empfangseinheit sowie ein passendes Internetmodem zahlt man je nach Anbieter zwischen 200 bis 300 Euro. Die Satellitenbetreiber finden das unfair. Denn während das Verlegen von Kabeln gefördert werde, müssten die Kunden von Satelliten-Internet tief in die Tasche greifen. Wann die Politik auch die Satellitentechnologie fördern will, ist noch nicht klar – selbst wenn es angeblich Zusagen gibt.

Die gegenwärtige Förderpraxis sehe nur die Unterstützung der Gemeinde bei Infrastrukturmaßnahmen vor, sagt Dieter Pötschke, Telekommunikationsexperte beim märkischen Wirtschaftsministerium. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn sich ein Dorf einen Funkmast auf die Kirche montieren ließe und von dort aus das Internet an die Haushalte verteilt. Die Bundesregierung prüfe derzeit, ob die Kosten für die Satelliten-Hardware über die Steuererklärung absetzbar sein könnten, sagt Pötschke. „Man könnte auch den Aufbau eines Netzes von Satellitenschüsseln fördern“, findet Thorsten Hirsemann, Sprecher von Sky-DSL, einer Berliner Firma, die mit Eutelsat kooperiert.

Wie schnell die weißen Flecken auf der Brandenburger Landkarte verschwinden, dürfte also nicht nur am Ehrgeiz der Anbieter-Konkurrenz liegen, sondern auch ganz entscheidend von der Förderpolitik abhängen. Andreas Wilhelm

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