Templin : Obdachloser erschlagen: Nazis verhaftet

Haftbefehle gegen Rechtsextreme: Die beiden polizeibekannten Nazis sollen einen obdachlosen Tischler in Templin erschlagen haben. Die Ermittler sind über das Ausmaß der Brutalität erschüttert. Die mutmaßlichen Täter waren zur Bewährung wegen vorangegangener Straftaten auf freiem Fuß.

Peter Tiede

TemplinZwei polizeibekannte Rechtsextreme sollen im uckermärkischen Templin einen 55-jährigen obdachlosen Tischler auf grausamste Weise erschlagen haben. Gegen die beiden 18 und 21 Jahre alten Tatverdächtigen Sven P. und Christian W. ergingen gestern Haftbefehle wegen Verdacht auf Mord beziehungsweise Totschlag. Beide sind wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft und stehen wegen einer ausgesetzten Restfreiheitsstrafe unter Bewährungsauflagen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die zuständige Neuruppiner Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper sprach von einem „äußerst brutalen, menschenverachtenden“ Vorgehen der Täter. Ermittler sprachen von einem fast unvorstellbaren Ausmaß an Brutalität. Genauere Umstände wurden zunächst nicht bekannt.

Laut Staatsanwaltschaft wurde das Opfer tödlich am Kopf verletzt. Ob durch Schläge mit Gegenständen oder Fußtritte, teilten die Ermittlungsbehörden gestern nicht mit. Die beiden Tatverdächtigen, so hieß es weiter, hätten das Opfer gekannt – wenn auch nicht näher. Das Opfer habe nicht zur rechten Szene gehört.

Der 18-jährige Beschuldigte war erst vor wenigen Wochen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der 21-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft bereits unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer Brandstiftung verurteilt worden und verbüßte eine Jugendstrafe, die seit Juni 2007 ebenfalls auf Bewährung ausgesetzt ist.

Zwar ist nach Aussage der Staatsanwaltschaft auch noch offen, ob die rechtsextreme Gesinnung der beiden Verdächtigen bei der Tat eine entscheidende Rolle spielte. In Ermittlerkreisen wurde der Fall gestern aber bereits mit dem bestialischen Mord von Potzlow im Juli 2002 verglichen – „vom möglichen Motiv und auch von der Brutalität her“, wie es hieß. Damals war der 16-jährige Marinus Schöberl in einem alten Schweinestall im uckermärkischen Potzlow von zwei Brüdern gequält, getötet und anschließend in eine Jauchegrube geworfen worden. Wie in Potzlow sei offenbar auch in Templin gezielt nach einem vermeintlich schwachen, am Rande der Gesellschaft lebenden Opfer gesucht worden, hieß es weiter. Der ermordete Templiner Tischler sei in seiner ehemaligen Werkstatt, die er nach einem Bankrott habe aufgeben müssen, erschlagen worden. Der Mann habe dort regelmäßig übernachtet.

Hatte sich einer der beiden Tatverdächtiger bei einer ersten Vernehmung noch zur Tat geäußert, so schwiegen beide Männer später vor dem Haftrichter zu den Vorwürfen. Dem Vernehmen nach hatte aber einer der Männer gegenüber Polizisten eine Tatbeteiligung eingeräumt und erste Details genannt.

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