Der Tagesspiegel : Tennis-Akademie Bernau: Bosch verlässt die von ihm mitbegründete Ausbildungsstätte

Ingo Wolff

Ein "Leimen des Ostens" sollte die Waldsiedlung in Wandlitz werden. Ein Domizil für einen künftigen Boris Becker, der aus dem Land Brandenburg kommt und sich dort auch sportlich entwickeln kann. Dafür wurde eigens auf historisch belastetem Gebiet im vergangenen Mai eine Tennis-Akademie eröffnet, nebst anliegender Kurklinik. Helfen sollte der Name Günther Bosch. Der ehemalige Trainer und Entdecker des besagten Jahrhundert-Talent hatte Becker 1986 zum ersten Wimbledon-Sieg geführt. Da Bosch davon überzeugt war, dass die zukünftigen Talente im Osten beheimatet sind, wollte er das bisher nicht angetastete Potenzial mit der neu gegründeten Ausbildungsstätte für Nachwuchsspieler ausschöpfen. Dafür lieh er der Akademie nicht nur seinen Namen, sondern baute sie federführend mit auf und setzte sich im Entwicklungsprozess persönlich ein.

Doch diese Zusammenarbeit zwischen dem 63-Jährigen und der Günther-Bosch-Tennis-Akademie ist nun beendet. "Wir haben uns zum 31. Juli im gegenseitigen Einvernehmen getrennt", sagt Akademie-Geschäftsführer Kai-Uwe Michels. Nicht im Streit, wie Michels betont, aber schon mit differenzierter Auffassung über die Führungsmethoden. Hintergrund sind Beschwerden von Eltern der Tennisschützlinge und einigen Trainern über den Ablauf des Internats- und Trainingslebens. Michels möchte zwar eigentlich keine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen, aber irgendwie bleibt das gar nicht aus. "Wir wollen endlich unseren Kunden das bieten, was wir versprechen", sagt Michels und verrät auch gleich, was er sich vorstellt, in Zukunft zu ändern. "Wir müssen die Region mehr begeistern", das sei in der Vergangenheit zu wenig geschehen, so Michels, und auch den Namen "Bosch" hätten sie zu wenig genutzt. Bestehen bleiben Akademie, Internat und aufgebaute Infrastruktur auf jeden Fall. Immerhin sind nahezu alle Trainer und Athleten geblieben. Auch die Eltern haben nach den klärenden Gesprächen vom letzten Wochenende ihr Wohlwollen signalisiert. Allerdings ist noch nicht geklärt, ob die Akademie weiterhin Boschs Namen trägt. "Das hängt auch von seinen Forderungen und der zukünftigen Form der Zusammenarbeit ab", sagt Michels.

Bosch, der seinen Wohnsitz in Monaco hat, sich aber trotzdem häufig persönlich in Wandlitz aufgehalten hatte, wird also nicht ganz aus dem Geschehen in der Akademie ausscheren. "Es finden derzeit Gespräche mit Herrn Bosch über die weitere Zusammenarbeit statt", gibt Michels schon jetzt zu erkennen. Klar ist bisher nur, dass die Familie Bosch aus dem Mietvertrag ausgestiegen ist und sich aus der konkreten Traingsplanung heraushalten wird.

Die Führung der Akademie hofft nun noch darauf, Bosch für repräsentative Zwecke zu gewinnen. Kein Wunder, immerhin hat Bosch gute Kontakte zur Berliner Politik und hat auch schon einige prominente Führungspersonen, mit nach Wandlitz zum Tennisspielen genommen. Außerdem wollen die Akademiker auch sein Sichtungsvermögen weiterhin nutzen. Wer weiß, vielleicht trainiert der zukünftige Boris Becker bald in Wandlitz? Das Jahrhundert ist ja erst wenige Monate alt und hält sicher noch das eine große Talent in hundert Jahren bereit.

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