Tennis : Kiefer verliert bei Comeback

Nicolas Kiefer ist trotz eines starken Comebacks nach über einjähriger Verletzungspause beim Rasen-Turnier in Halle in der ersten Runde ausgeschieden.

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Nicolas Kiefer: Gut gespielt und doch verloren.Foto: ddp

Halle/WestfalenNicolas Kiefer hat sein erstes Match nach 373 Tagen Verletzungspause verloren und durfte trotzdem zufrieden sein. Zwar unterlag der 29-Jährige dem an Nummer vier gesetzten Tschechen Tomas Berdych beim Tennisturnier im westfälischen Halle mit 4:6, 6:7 (3:7), doch den Rasenplatz konnte er dennoch mit Fug und Recht erhobenen Hauptes verlassen. Neben dem Lokalmatadoren aus Hannover fehlt in "Klein Wimbledon" auch das große Zugpferd Roger Federer. Der Titelverteidiger aus der Schweiz sagte seine Teilnahme am Tag nach dem verlorenen Finale bei den French Open ab.

"Es kribbelt unheimlich", hatte Kiefer vor seinem Comeback gesagt. Mehr als ein Jahr ist es her, dass er sich bei einem Sturz gegen einen Netzpfosten bei den French Open in Paris das Handgelenk verletzt hatte. Die Folge waren endlose Wochen ohne Tennis, mehrere abgesagte Comeback-Versuche und zwei Operationen.

Becker in Runde zwei

"Ich bin positiv überrascht. Kiwi hat sich toll bewegt und teilweise schon wieder richtig gut gespielt", lobte Daviscup-Spieler Alexander Waske, der seine eigene Teilnahme wegen einer Armverletzung hatte absagen müssen. Als erster von insgesamt sieben deutschen Profis erreichte Benjamin Becker die zweiten Runde in "Klein-Wimbledon". Der 25-Jährige aus Mettlach gewann sein Auftaktmach bei der mit 680.250 Euro dotierten ATP-Veranstaltung gegen den Russen Teimuras Gabaschwili 6:4, 7:6 (7:1) in 1:38 Stunden und bewies nach überstandener Grippe ansteigende Form.

"Das war in diesem Jahr mein erstes Spiel auf Rasen. Da konnte man noch keine Gala erwarten. Aber jetzt kann ich locker in die nächste Runde gehen", freute sich Becker über den Arbeitssieg, bei dem er sich auch durch den schnellen 0:2-Rückstand im ersten Satz nicht aus der Ruhe bringen ließ. Die übrigen fünf Deutschen - Michael Kohlmann, Simon Stadler, Mischa Zverev, Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer - greifen erst an diesem Dienstag ins Geschehen ein.

Federer sagt ab

Eine bittere Pille hatte der Veranstalter kurz vor Turnierbeginn schlucken müssen. Ausgerechnet Publikumsliebling und Seriensieger Federer sagte seine Teilnahme ab. Einen Tag nach der Viersatz-Niederlage gegen den Spanier Rafael Nadal im French-Open-Finale begründete der Weltranglisten-Erste aus der Schweiz seinen Verzicht mit dem zu hohen Verletzungsrisiko und einem Erschöpfungszustand.

"Nach dem langen Finale in Paris möchte ich um jeden Preis eine Verletzung vermeiden und kann daher meinen Titel bei den Gerry Weber Open nicht verteidigen", sagte der viermalige Wimbledon-Sieger zu seinem Verzicht, der ihm "sehr schwer" gefallen sei. Von der ATP bekam der 25-Jährige eine Geldstrafe von 40.000 Dollar aufgebrummt, weil er sich nicht vom Turnierarzt in Halle untersuchen ließ.

In den vergangenen vier Jahren hatte Federer das Turnier am Rande des Teutoburger Waldes ebenso wie anschließend in Wimbledon gewonnen und ist auf seinem Lieblingsbelag Rasen in insgesamt 48 Spielen hintereinander unbesiegt. Turnierdirektor Ralf Weber war zwar enttäuscht, zeigte aber auch Verständnis für die Entscheidung des an Nummer eins gesetzten Baslers, für den der Rumäne Andrei Pavel ins Hauptfeld aufrückte. Auch Becker fand Federers Absage bedauerlich: "Gleichwohl können sich alle anderen freuen, weil die Chancen auf einen Sieg durch Rogers Absage größer geworden sind". (Von Paul Tigges und Ulli Brünger, dpa)