Tennis : Steffi Graf fordert Justine Henin

Steffi Graf ist wieder im Tennis-Training. Die einst beste Spielerin der Welt fordert am 27. Oktober in Mannheim die aktuelle Nummer eins, Justine Henin aus Belgien, heraus. Im Interview spricht die 38-Jährige über ihr Leben und ihre Pläne.

Andreas Bellinger[dpa]
Steffi Graf Foto: dpa
Steffi Graf wieder in Aktion. -Foto: dpa

HamburgDie Einnahmen aus dem spektakulären Schaukampf mit Justine Henin sollen in Grafs Stiftung fließen. "Children for Tomorrow" kümmert sich um durch Krieg, Misshandlung und Gewalt traumatisierte Kinder in Afrika. Demnächst soll auch in Hamburg ein Behandlungszentrum für Flüchtlingskinder entstehen. Über ihr sportliches Wagnis, aber auch über ihre Pläne als Unternehmerin und über ihr Leben in Las Vegas mit Ehemann Andre Agassi und den Kindern Jaz Elle (3) und Jaden Gil (5) sprach die 38-Jährige in einem Interview.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gegen Justine Henin, die momentan beste Tennisspielerin der Welt, ein Match zu bestreiten?

Steffi Graf: "Wir haben uns in den vergangenen Jahren häufiger gesehen und ein freundschaftliches Verhältnis zueinander entwickelt. Als ich sie Anfang des Jahres angerufen habe, war das für sie gar keine Frage. Sie hat in ihren Terminkalender gesehen und dann sofort ohne Umschweife zugesagt."

Justine Henin hat gerade die US Open gewonnen, nachdem sie auch in Paris triumphiert hatte. Haben Sie nicht die Befürchtung, im Kampf der Generationen zwischen der Nummer 1 von einst und der Nummer 1 von heute nicht mithalten zu können?

"Natürlich. Wenn ich in diesem Jahr vielleicht acht Mal zum Schläger gegriffen habe, dann ist es viel. Und dabei rechne ich die letzte Zeit, in der ich einmal pro Woche gespielt habe, schon mit. Deshalb kann ich mich mit jemandem wie Justine nicht ernsthaft messen. Selbstverständlich versuche ich, am 27. Oktober mitzuhalten. Aber das ist nicht der Sinn der Veranstaltung. Wir wollen Spaß haben, den Zuschauern Freude bereiten und vor allem etwas für Kinder tun. Das Wichtigste ist, etwas für Kinder zu tun, und nicht, ob ich die spielerischen Möglichkeiten habe, mit der Nummer 1 mitzuhalten."

Und wenn Sie der 13 Jahre jüngeren Justine Henin nun sogar mehr als Paroli bieten. Wäre das nicht beschämend für das Damen-Tennis?

"Das ist doch lächerlich. Es kann nicht sein, und es wird auch nicht passieren. Ich habe seit acht Jahren kein Turnier-Tennis mehr gespielt. Sicherlich habe ich in der Zeit versucht, mich fit zu halten. Aber es ist doch was anderes, Tennis zu spielen als zu joggen oder Fahrrad zu fahren oder an Gewichten zu trainieren."

Und trotzdem wollen Sie gegen die momentan Beste Tennis spielen?

"Ein Mal, ja. Für die Stiftung mache ich das sehr gern. Auch wenn es mir immer schwerer fällt, weil ich nur ganz, ganz selten zum Schläger greife. Und das merke ich jetzt. Seit einigen Wochen versuche ich etwas häufiger zu spielen. Aber das ist nicht so einfach in unseren Tagesablauf einzubauen."

Wie beurteilen Sie die Leistung von Justine Henin, die nach ihrer Scheidung Anfang des Jahres stärker denn je zurückgekommen ist?

"Ich habe große Bewunderung für das, was sie in diesem Jahr geleistet hat und schätze sie als engagierte Persönlichkeit. Es war keine einfache Zeit für sie. Außerdem hatte sie in den vergangenen zwei Jahren mit Krankheiten und Verletzungen zu kämpfen. Es spricht für sie, dass sie die beiden Grand-Slam-Titel gewonnen und überhaupt eine tolle Saison hingelegt hat."

Henin Graf Foto: dpa
Kennen und mögen sich: Justine Henin und Steffi Graf. -Foto: dpa



Sie haben schon erzählt, dass das Tennisspielen zuletzt etwas zu kurz gekommen ist. Was macht denn die Fitness allgemein?



"Eigentlich ist es ganz gut. Der Körper hält das Training momentan ganz gut aus. Aber ich habe mich generell immer fit gehalten, habe drei Mal pro Woche Sport getrieben. Ob nun Laufen, Fahrradfahren, Pilates oder ein bisschen Krafttraining - die generelle Fitness ist da. Nun muss ich nur noch den Arm kräftigen für die Aufschlagbewegung; das muss noch runder werden."

Schmerzt die Patellasehne, die Ihnen während Ihrer Karriere schlimme Probleme bereitet hat?
Nein, das geht alles ganz gut. Aber wenn ich spiele, dann ist es ja auch nur für eine Dreiviertelstunde bis Stunde. Wenn ich Probleme habe, dann höchstens mit der Schulter. Die Aufschlagbewegung bin ich gar nicht mehr gewöhnt."

Wann haben Sie das letzte ernsthafte Tennismatch bestritten?

"Das war vor zwei Jahren auch in der SAP-Arena in Mannheim - gegen Gabriela Sabatini." (Das Match endete 6:4, 6:2 für Steffi Graf/Anm. d. Red.)

Wie oft haben Sie mit Ihrem Mann, Andre Agassi, trainiert?

"Einige Male, aber nicht oft. Ich habe vor allem mit der 16-jährigen Aisha Mohamed aus Andres Boys and Girls Club trainiert. Sie kommt hier aus Las Vegas und ist eine der besten Nachwuchs-Spielerinnen der USA."

Und ist Ihr fast sechsjähriger Sohn Jaden Gil schon ein Gegner?

"Mmmh. Er hat es nicht so mit dem Tennisspielen. Er hat eine Saison Fußball gespielt. Aber im Moment mag er Baseball am meisten. Wahnsinnig Spaß macht ihm das Skifahren. In diesem Winter will er in Idaho mit dem Snowboarden anfangen."

Sie spielen zu Gunsten Ihrer Stiftung "Children for Tomorrow". Ist der Erlös für ein spezielles Projekt gedacht?

"Der Erlös wird den Kindern in mehreren Projekten zugute kommen. Wir wollen in Hamburg für die Behandlung traumatisierter Flüchtlingskinder ein neues Zentrum bauen, und auch in Südafrika planen wir eine Erweiterung unseres Engagements. In den Townships vor Kapstadt sollen neue Therapieräume für gewalttraumatisierte Kinder gebaut werden. In Eritrea wollen wir demnächst den ersten Kindergarten mit therapeutischer Betreuung einweihen."

Wie lange gibt es die Stiftung und was sind die Ziele?

"Die Stiftung gibt es seit neun Jahren. Wir kümmern uns um Kinder, die durch Krieg, Gewalt und Verfolgung traumatisiert sind. Unsere Projekte sind auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt. Wir wollen sie nach und nach ausbauen und daneben neue Projekte angehen wie in Eritrea. Zur Zeit prüfen wir ein weiteres Engagement in Uganda. Es gibt noch sehr, sehr viel zu tun. Leider."

Auch Ihr Mann hat eine Stiftung für benachteiligte Kinder. Gibt es Berührungspunkte, oder geht jeder von ihnen seinen eigenen Weg?

"Eigentlich läuft beides unabhängig voneinander. Aber wenn er etwas braucht, helfe ich ihm und umgekehrt. Es hilft mir zu sehen, was er nicht nur im Bereich Kinder und Erziehung auf die Beine gestellt hat. In zwei Wochen findet seine Charity-Veranstaltung statt."

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?

"Es ist mir ein großes Anliegen. Und ich habe immer das Gefühl, dass ich noch mehr tun könnte. Aber natürlich sind meine Kinder, meine Familie jetzt erst einmal in den Vordergrund gerückt. Ich bewundere Menschen wie den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, der die wichtigen Menschen dieser Welt zusammenbringt, um etwas zu verändern. Jeder kann etwas tun. Egal wo."

Also wieder mehr auch an den Anderen denken?

"Ja, absolut. Es ist unsere Welt, zu der wir etwas beisteuern sollten."

Tut man das in den USA mehr als in Deutschland?

"Das kann man nicht sagen. Aber hier wächst man mit dem Gedanken auf, in seiner Gemeinschaft zu helfen. In der Schule etwa wird den Kindern beigebracht, an andere zu denken und abzugeben. Wenn ich an meine Jugend denke, damit bin ich nicht groß geworden."

Steffi André Foto: dpa
Dynamisches Duo: Steffi Graf und Andre´ Agassi sind das wohl erfolgreichste Tennis-Paar. -Foto: dpa

Denken Sie deshalb nicht daran, zurück nach Deutschland zu ziehen?



"Ich bin immer gerne in Deutschland und versuche, so oft wie möglich dort zu sein. Aber hier haben wir unsere Freunde, und zum Glück leben meine Mutter und inzwischen auch mein Bruder mit seiner Familie hier. Seit unser Großer in den Kindergarten geht, sind wir noch mehr an Las Vegas gebunden. Das ist wie die erste Klasse in Deutschland, eine Art Vorschule. Da müssen wir in Zukunft mehr vor Ort sein. Wir arbeiten daran."

Spricht Andre inzwischen mehr Deutsch?

"Er versteht ziemlich viel. Das ist auch gut so wegen der Kinder. Es ist mir wichtig, dass sie mit der Muttersprache aufwachsen."

Ihr Mann ist jetzt seit einem Jahr kein Tennisprofi mehr. Ist das Leben jetzt so, wie Sie es sich erträumt haben? Haben Sie mehr Zeit?

"Wir waren ja meistens als Familie unterwegs. Deshalb ist die Zeit wohl weniger die große Veränderung, als die innere Ruhe, die vor allem Andre jetzt viel mehr hat. Der Stress ist von ihm abgefallen, seine Ruhe strahlt auf die Familie ab, das Familienleben ist viel ausgewogener geworden. Es ist so, wie ich es mir gewünscht und wie ich es mir auch gedacht habe aus meiner eigenen Erfahrung. Wir sind jetzt nur noch zwei, drei Tage geschäftlich unterwegs und nicht mehr zwei Wochen bei großen Turnieren."

Sie sind nicht nur Ehefrau, Mutter und Stifterin, sondern auch eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Was macht die Unternehmerin Steffi Graf?

"Eigentlich sehe ich mich nicht als Unternehmerin im eigentlichen Sinn. Aber ich engagiere mich gerne für Projekte, die mich ansprechen und in die ich mich einbringen kann. Wie zum Beispiel für die Fitnesskette "Mrs. Sporty". Wir haben damit eine enorme Resonanz und konnten schon viele Tausend Frauen zum Sport bringen. Es ist ein gutes Gefühl, etwas bewegen zu können, im wahrsten Sinn des Wortes."

Mit Ihrem Mann zusammen planen und bauen Sie unter anderem Hotel- und Ferienanlagen. Wo sind diese Projekte und was gibt es darüber hinaus?

"In Tamarack, Idaho. Wir haben die Möglichkeit, einen Hotelkomplex vollkommen nach unseren Vorstellungen planen und designen zu können. Es macht uns riesigen Spaß."

Sie vermissen das große Tennis also auch nach acht Jahren nicht?

"Nein, nein. Gar nicht."

Sie waren in diesem Jahr nicht einmal in Wimbledon und bei den US Open, wo Ihr Mann das Match zwischen Tommy Haas und James Blake co-kommentiert hat. Haben Sie denn wenigstens den Finalsieg von Justine Henin im Fernsehen gesehen?

"Dass ich nicht dort war, lag an den Kindern. Vom Damen-Finale habe ich nur Ausschnitte gesehen. Natürlich habe ich mich riesig für Justine gefreut. Wir haben uns während des Turniers häufig SMS und E-Mails geschrieben."

Wie sieht die heiße Phase der Vorbereitung auf Mannheim aus?

"Ich werde versuchen, zwei bis drei Mal die Woche zu trainieren. Auf jeden Fall aber häufiger als bisher. Vielleicht bekomme ich auch mal eine Massage, die ich dann auch brauche.» "Nein, das geht alles ganz gut. Aber wenn ich spiele, dann ist es ja auch nur für eine Dreiviertelstunde bis Stunde. Wenn ich Probleme habe, dann höchstens mit der Schulter. Die Aufschlagbewegung bin ich gar nicht mehr gewöhnt."