Terror : Massaker und Massenflucht im Kongo

"Sie kommen, um zu töten": Christlich-fundamentale Rebellen aus dem Norden Ugandas verbreiten Angst und Schrecken im Kongo. Sie morden, foltern, vergewaltigen. Nicht einmal Kinder sind vor ihnen sicher.

Eva Krafczyk[dpa]

Nairobi/Dungu Fast 20 Jahre lang haben Joseph Kony und seine Rebellen von der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) im Norden Ugandas eine Blutspur hinterlassen. Nun setzen sie den Terror im Nordosten des Kongo fort, wo sie sich in ihren Dschungellagern verschanzt haben. Die Rebellen, die nach eigenem Bekunden einen christlich-fundamentalistischen Gottesstaat errichten wollen, morden, foltern, vergewaltigen. In den vergangenen Jahren haben sie nach UN-Schätzungen rund 30.000 Kinder verschleppt, als Soldaten und Sexsklaven missbraucht. Seit Weihnachten hat eine Serie von Massakern im Nordostkongo eine Massenflucht von mindestens 100.000 Menschen ausgelöst.

Nicht nur im Kongo, auch im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik waren und sind Dörfer und Schulen nicht sicher vor den Übergriffen der LRA. Im vergangenen Dezember versuchten die betroffenen Länder, der Gewalt ein Ende zu setzen. Im Rahmen der "Operation Blitz und Donner" rückten ugandische, kongolesische und südsudanesische Truppen gemeinsam gegen die LRA-Lager im Nordosten des Kongo vor. Erste Berichte klangen optimistisch: Die wichtigste Basis der LRA sei zerstört.

Macheten, Messer und Knüppel

Doch Kony und seine Männer schlugen zurück. Während der Weihnachtsfeiertage ermordeten die LRA-Kämpfer mindestens 400 Menschen. Selbst die Kirchen, in die Tausende flüchteten, waren keine sichere Zuflucht. In einer Kirche wurden Dutzende Dorfbewohner mit Macheten, Messern und Knüppeln brutal getötet.

"Sie kamen, um zu töten, und sie ließen nur wenige Überlebende zurück", fasste Anneke Van Woudenberg, Afrikaexpertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, in einem Bericht über die Lage im Nordostkongo zusammen. Mehr als 620 Menschen seien seit den Weihnachtstagen getötet und rund 160 Kinder verschleppt worden.

Überlebende gibt es nach den LRA-Überfällen nur selten, berichtet auch Hakim Chkam von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Nairobi. "Nach einem der Überfälle in Haut-Uéle wurde ein vierjähriges Mädchen mit schweren Halsverletzungen zu uns gebracht. Die LRA-Rebellen hatten versucht, dem Kind den Kopf abzuhacken."

Helfer haben Angst vor den Rebellen

In der etwa 22.000 Quadratkilometer großen Region können sich auch die Helfer nicht mehr frei bewegen. "Die Straße ist zu gefährlich geworden, so sind wir gezwungen, Flugzeuge zu nehmen", schildert Chkam die Lage. Im Busch finden die Helfer oft nur Leichen und geplünderte Gesundheitszentren. Dort, wo verletzte Überlebende gefunden wurden, konnten sich die eingeflogenen Ärzte aus Angst vor einer Rückkehr der Rebellen oft nur wenige Stunden um ihre Patienten kümmern.

Die Arbeit der Hilfsorganisationen ist aufgrund der angespannten Sicherheitslage stark eingeschränkt. "Sogar Flüge können gefährlich sein, da nicht vorhersehbar ist, was die LRA in den angeflogenen kleinen Orten als nächstes tun wird", betont Charles Gaudry, der MSF-Projektleiter in Dungu. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen könnten daher immer nur ein paar Stunden an einem Ort bleiben, die am schwersten Verletzten evakuieren und Medikamente und medizinisches Material in die oft geplünderten Gesundheitszentren bringen. Die Bilanz der Helfer ist düster: Bisher konnten nur 17 Überlebende behandelt werden.