Terror-Prozess : Angeklagter Iraker beteuert Unschuld

Wegen Unterstützung einer ausländischen Terrogruppe muss sich ein Iraker vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Der mutmaßliche Geldbote der radikal-islamistischen Organisation Ansar al Islam bezeichnet sich selbst als unschuldig.

StuttgartIm Stuttgarter Prozess gegen einen 37-jährigen Iraker wegen Unterstützung einer ausländischen Terrorgruppe hat der Angeklagte seine Unschuld beteuert. Als die Vorsitzende Richterin des Oberlandesgerichts erwähnte, der Kurde Burhan B. sitze seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft, entgegnete dieser: "Leider ohne einen Grund." Dem zuletzt in Basel ansässigen Mann wird auch ein Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz vorgeworfen. Mit Hilfe von Mittelsmännern soll er Geld in den Irak geleitet und damit das UN-Embargo umgangen haben.

Der mutmaßliche Geldbote der radikal-islamistischen Organisation Ansar al Islam (Helfer des Islam) geriet ins Visier der Fahnder nach abgehörten Telefonaten, die er mit dem in einem anderen Stuttgarter Verfahren angeklagten mutmaßlichen Rädelsführer der Terrorgruppe, Ata R., geführt hatte. Burhan B. sei ein guter Bekannter und die "personifizierte Bank" von Ata R. gewesen, hieß es. Ata R. steht seit mehr als einem Jahr mit zwei Komplizen in Stuttgart wegen eines im Dezember 2004 geplanten Anschlags auf den früheren irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi vor Gericht.

Laut Oberstaatsanwalt Christian Monka hat Burhan B. zwischen November 2003 und Mai 2004 insgesamt 22.000 Euro weitergeleitet. Der Angeklagte war vor einem Jahr im Transitbereich des Frankfurter Flughafens auf der Reise von der Schweiz in den Irak festgenommen worden. Burhan B. hatte nach Angaben der Staatsanwaltshaft aber keine Kenntnis von den Attentatsplänen.

Lebensgeschichte vom kurdischen Befreiungskampf geprägt

Der Angeklagte schilderte seine vom kurdischen Befreiungskampf geprägte Lebensgeschichte. Der Sohn eines Landwirtes knüpfte in den 80er Jahren über einen Cousin Kontakte zur PUK (Patriotische Union Kurdistans). Die kurdische Widerstandgruppe kämpfte gegen das Regime von Saddam Hussein.

Ein einschneidendes Erlebnis war für Burhan B. nach seiner Schilderung die Ermordung eines seiner Brüder - "vermutlich durch die Araber". Er fand die Leiche als erster: "Seit diesem Zeitpunkt bin ich nicht mehr normal." Er habe in der Folge Häuser angezündet und sei dann Anfang der 90er Jahre inhaftiert worden: "Ich habe alle Gefängnisse des Irak gesehen." Dort sei er gefoltert worden. Nach einer Amnestie 1997 sei er auf abenteuerlichen Wegen - unter anderem im Ersatzradkasten eines Lastwagens - schließlich als Asylbewerber in der Schweiz gelandet. (mit dpa)