Terrorismus : Libanon klagt 227 Islamisten-Kämpfer an

Der Libanon hat Anklage gegen 227 mutmaßliche Islamisten der Radikalen-Gruppe Fatah el Islam erhoben, von denen sich 108 in libanesischer Haft befinden.

Beirut/Nahr el BaredEin libanesisches Gericht hat 227 mutmaßliche Anhänger der radikalen Gruppe Fatah el Islam des "Mordes und terroristischer Handlungen" angeklagt. Unter den Verdächtigen war auch der Chef der Gruppe, Tschaker el Abssi, gegen den in Abwesenheit Anklage erhoben wurde, wie es aus Gerichtskreisen hieß. Lediglich 108 der Verdächtigen befänden sich in Haft. Der libanesische Generalstaatsanwalt Said Mirsa beschuldigte die Angeklagten des Mordes an "elf Offizieren und 129 libanesischen Soldaten". Sie sollen auch auf zivile und militärische Einrichtungen des Libanons geschossen und Raketen abgefeuert haben.

Der Staatsanwalt forderte für die Angeklagten die im Strafgesetzbuch für Terrorismus vorgesehenen Strafen, die bis zur Todesstrafe reichen. Die Mehrheit der Verdächtigen ist libanesisch. Unter ihnen sind aber auch einige Palästinenser, fünf Saudiaraber, zwei Syrer, ein Tunesier und ein Algerier.

Unterdessen kamen bei Auseinandersetzungen zwischen der Fatah el Islam und der libanesischen Armee um die Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared im Norden des Libanon mindestens zwei Soldaten ums Leben. Kampfhubschrauber und Panzer der libanesischen Armee beschossen Stellungen der Islamisten. Rund 70 Fatah-el-Islam-Kämpfer halten sich Armeeangaben zufolge in unterirdischen Stellungen in einem kleinen Gebiet im Süden der Flüchtlingssiedlung verbarrikadiert. Seit Beginn der Kämpfe am 20. Mai wurden auf libanesischer Seite mehr als 200 Menschen getötet, unter ihnen waren nach Armeeangaben 140 Soldaten. Die Zahl der getöteten islamistischen Kämpfer ist nicht bekannt. Die 31.000 Palästinenser, die in dem Lager gelebt hatten, sind geflüchtet. (mit AFP)