Theater des Jahres : Hamburger Thalia Theater ausgezeichnet

Das Hamburger Thalia Theater ist zum Theater des Jahres gekürt worden. Intendant Ulrich Khuon sieht die Auszeichnung als Ehre für das ganze Haus, vom Regisseur bis zum Techniker. Sein Motto: Einmischen in die deutsche Wirklichkeit.

HamburgDie Auszeichnung des Hamburger Thalia Theaters als "Theater des Jahres" sieht Intendant Ulrich Khuon als Bestätigung "für eine in sich sehr geschlossene Arbeit". "Dieser Preis ist besonders wichtig, weil damit ein ganzes Haus geehrt wird", sagte Khuon. "Im Unterschied zu anderen Künsten lebt das Theater sehr von der Angewiesenheit. Jeder Künstler für sich braucht eine hohe Qualität und Energie, aber es ist gleichzeitig eine Art soziale Dimension implantiert", erklärte der Intendant. "Wenn der Regisseur keinen Schauspieler hat, wenn der Schauspieler keinen Bühnenbildner hat, wenn die Künstler keine Techniker haben, dann ist alles nichts."

Für Khuon, der mit Beginn der Spielzeit 2009/10 Intendant am Deutschen Theater Berlin wird, macht "dieses Element der Angewiesenheit" das Besondere am Theater aus. Das Thalia Theater, dessen Leitung dann der Chefdramaturg des Wiener Burgtheaters, Joachim Lux, übernimmt, ist bereits im Jahr 2003 zum "Theater des Jahres" gekürt worden. "Es hat mich diesmal nicht so überrascht wie beim letzten Mal. Aber ich freue mich natürlich nicht weniger, sondern sehr", meinte Khuon. Ihm sei es bei seiner Arbeit wichtig, "dass man mit einer hohen Energie für die Künstler, die man ausgesucht hat, alles tut, um deren Werk zum Leuchten zu bringen". "Wir machen nichts Spekulatives oder nur Spektakuläres."

Einmischen in die deutsche Wirklichkeit

Das Bestreben, Aufsehen erregendes auf die Bühne zu bringen, kann der Vorsitzende des Ausschusses für künstlerische Fragen im Deutschen Bühnenverein nachvollziehen. "Die Welt ist zunehmend in vielen Bereichen durch schnelle Aufmerksamkeitsgewinnung geprägt. Insofern ist es verständlich, dass man fragt: Wie fallen wir auf?", sagte Khuon. "Ich denke jedoch, dass man die Energie als Intendant lieber darauf verwenden sollte, Schutzräume zu bilden, in denen man geduldig eine Art Laboratorien der Kunst entwickelt." Allerdings sollten sich diese nicht auf sich selbst, sondern immer auf die gesellschaftliche Wirklichkeit beziehen. "Wir wollen uns mit unserer Arbeit einmischen - in die Hamburger und die deutsche Wirklichkeit."

Die Konkurrenz in Deutschland schätzt Khuon sehr stark ein. "Das sieht man schon daran, dass wir im letzten Jahr nicht gewonnen haben", scherzte er. "Was in München, Stuttgart oder Berlin, aber auch an vielen mittleren Häusern gemacht wird, ist einfach besonders. Wir haben eine wunderbare breite Theaterlandschaft, die es so nirgends in der Welt gibt." (mit dpa)