Der Tagesspiegel : Theater- und Orchesterverbund: Johannas Reste-Rampe

Frederik Hanssen

Die Worte der Kulturministerin Johanna Wanka bei der Unterzeichnung des Theater- und Orchesterverbunds Brandenburg waren völlig ernst gemeint - und klangen in den Ohren vieler doch wie Hohn: "Jetzt kann endlich die Existenz der Häuser langfristig gesichert werden." Richtiger hätte sie sagen müssen: Die kläglichen Reste der ehemaligen Drei-Sparten-Theater von Potsdam, Brandenburg und Frankfurt werden gezwungen, zusammenzuarbeiten, wenn sie nicht ihre Schließung riskieren wollen. Elf Jahre nach der Wende sind von den Musentempeln in den drei Städten nur noch Ruinen übrig geblieben. In Potsdam entließ man Chor und Solisten, die Brandenburgische Philharmonie wurde aufgelöst. In Frankfurt / Oder musste das komplette Kleist-Theater dran glauben, in Brandenburg sind nach der Kündigung des Ensembles noch 95 Mitarbeiter am Theater zurückgeblieben, denen gerade die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld angedroht wurde.

Mit dem Verbund will man nun aus dem kläglichen Rest das Beste machten: Die Vereinbarung sieht vor, dass die verbliebene Schauspieltruppe des Hans-Otto-Theaters Potsdam regelmäßig in Frankfurt und Brandenburg gastiert, und die im Gegenzug ihre Partner mit dem versorgen, was sie noch haben: Frankfurt mit seinem Staatsorchester und Brandenburg mit Opernproduktionen. 120 Vorstellungen und 40 Konzerte sollen pro Spielzeit ausgetauscht werden. Dafür erhalten die Institutionen "Planungssicherheit, was die 82 Subventionsmillionen aus dem Kulturministerium betrifft - allerdings nur bis Ende 2002. Was nach dem "Probelauf" passiert, weiß keiner.

Doch das traurige Theater ums Theater hat auch groteske Aspekte: In allen drei Städten wurden nämlich in jüngster Zeit schmucke, neue Veranstaltungszentren hochgezogen, während parallel die Ensembles den Bach herunter gingen. Potsdam hat den elegant-poppigen Nicolaisaal, doch ein großes Sinfonieorchester gibt es in der Landeshauptstadt nicht mehr. In Brandenburg ist das Kultur- und Kongresszentrum im Waldorfschulen-Look ohne Ensemble. Und in Frankfurt an der Oder wird an diesem Donnerstag das neue Kleist-Forum eröffnet, ein nobler Bau aus Glas und schwarzen Klinkern im Stadtzentrum. 70 Millionen Mark hat das edle Stück gekostet. Doch weil zwei Drittel der Summe von der Europäischen Union spendiert wurden, ließen sich die Stadtväter gerne eine prachtvolle Halle hinklotzen, während sie gleichzeitig die Abwicklung des Kleist-Theater beschlossen. Die Eröffnungsvorstellung, "Carmen" von Georges Bizet, bestreitet darum die Oper Posen.

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