Theater : Wallenstein im Rollstuhl

Klaus Maria Brandauer spielt wieder die Hauptrolle in Peter Steins "Wallenstein"-Inszenierung - allerdings im Rollstuhl. Vor kurzem hatte er sich bei einem Bühnenunfall den großen Zeh gebrochen.

BerlinNach einer verletzungsbedingten Pause hat der Schauspieler Klaus Maria Brandauer wieder die Hauptrolle in Peter Steins Inszenierung von Friedrich Schillers "Wallenstein"-Trilogie in Berlin übernommen. Er konnte die Rolle in der ehemaligen Kindl-Brauerei in Neukölln allerdings nur im Rollstuhl spielen, wie ein Mitarbeiter des Berliner Ensembles sagte. "Es funktioniert bestens", meinte er.

Der 64-jährige Schauspieler ("Mephisto") musste am 12. September in der Berliner Charité operiert werden, nachdem er sich bei einem Bühnenunfall den großen Zeh gebrochen hatte. Ein Bühnenarbeiter war ihm in einer Umbaupause mit einer tonnenschweren Wand über den Fuß gefahren. Am vergangenen Wochenende war für ihn Regisseur Stein eingesprungen, der in der zehnstündigen Vorstellung mit dem Rollenbuch in der Hand auftrat. Die Aufführung des Berliner Ensembles steht seit Mai jeweils an den Wochenenden auf dem Spielplan.

Da Brandauers Bein bis über das Knie eingegipst werden musste, kann der Schauspieler jetzt nur im Rollstuhl auftreten. "Es gibt ja sogar eine historische Parallele, der Wallenstein hat sich in seinen späten Jahren immer in so einer Sänfte herumtragen lassen", sagte Brandauer in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). "Aber das ist nichts für mich. Ich fahre selbst."

Auf die Frage, wie das mit dem Rollstuhl in der Schlussszene funktionieren soll, wenn die beiden Mörder den toten Feldherrn auf die Bühne ziehen, antwortete Brandauer: "Fragen Sie doch bitte nicht so konkret. Es ist eine Uraufführung. Das ganze Leben ist eine Uraufführung. Jeder Theaterabend ist eine Uraufführung. Das wird dann eben eine besondere Uraufführung."

Die letzte Vorstellung der Inszenierung ist für den 7. Oktober geplant. Premiere war am 19. Mai. "Es war eine tolle Zeit", resümierte Brandauer jetzt. (mit dpa)