Bericht aus BONN : Die Rückkehr des „Bundesbüdchens“

Das "World Conference Center Bonn" soll bis 2015 fertig sein. Wird es auch den berüchtigten ovalen Kiosk wieder geben? Lesen Sie hier mehr über die Geschichte des "Bundesbüdchens".

Peter Zudeick

Jetzt ist es amtlich: „Fertigstellung des World Conference Center Bonn“, das verspricht eine große Tafel gegenüber dem alten Bundestagshochhaus am „Platz der Vereinten Nationen“. Nach vier Jahren „Winterpause“ werden die Arbeiten am Bonner Katastrophenprojekt wieder aufgenommen. Bauherr ist die Stadt Bonn, gefördert wird das Projekt von der Bundesregierung und dem Land Nordrhein-Westfalen. 45 Millionen Euro für den Weiterbau sind bewilligt, jetzt können Aufträge vergeben werden, ab März/April sollen die Arbeiten „Fahrt aufnehmen“, hofft der Oberbürgermeister. 2015 soll der Bau fertig sein. Also zeitgleich mit dem Berliner Katastrophenprojekt Großflughafen. Möglicherweise ist das eine neue Variante des Bonn-Berlin-Gesetzes.

Damit wächst auch die Hoffnung auf die Wiedergeburt des „Bundesbüdchens“. Das ist ein ovaler Pavillon mit Rundumverglasung, grauen Kacheln und Chromleisten – ein Juwel der 50er Jahre, der Nierentisch lässt grüßen. Seit 1957 stand der Kiosk gegenüber dem Eingang des früheren Bundesrats, und anfangs, als es noch nichts anderes gab – keine Kantine, kein Kasino, kein Restaurant – , war der Pavillon ein kulinarisches und kommunikatives Zentrum des Parlamentsviertels. Und ein Ort der Demokratie.

Ob Mitarbeiter, Saaldiener, Abgeordneter, Sekretärin, Journalist, Putzfrau, Fahrer, Minister, Bodyguard – sie alle mussten sich anstellen für ihre Bockwurst mit Senf, die Zeitung, die Zigaretten. Konrad Adenauer kaufte hier die „Bild“-Zeitung, Helmut Kohl ließ belegte Brötchen holen – zumindest erzählt man es sich so. Auf jeden Fall trifft Norbert Blüms Urteil zu: „In keinem Regierungsviertel der Welt gibt es einen solchen unprätentiösen Ort für die spontane Kommunikation wie damals in Bonn.“

2006 musste der Kiosk den Baggern weichen – genau wie die Villa Dahm, das Haus der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn. Beides Denkmäler, aber nur das Büdchen wurde gerettet, die Parlamentarische nicht. Die Villa Dahm wurde trotz Denkmalschutz für das Kongresszentrum plattgemacht, das Büdchen bei einer Spedition eingelagert. Jetzt sind 60 000 Euro für die Sanierung zusammengekommen, im April soll das Büdchen wieder aufgestellt werden – keine hundert Meter vom ursprünglichen Platz entfernt.

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