Boris und Stanley Johnson : Der Brexit spaltet die Familie

In der prominenten britischen Politikerfamilie Johnson trennt die Brexit-Frage auch die Generationen. Boris Johnson ist dafür, sein Vater Stanley dagegen.

James Crisp/EurActiv
Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson (l.) fährt mit seinem Vater Stanley Johnson in der Londoner U-Bahn.
Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson (l.) fährt mit seinem Vater Stanley Johnson in der Londoner U-Bahn.Foto: Reuters

Sollten sich die Briten am kommenden Donnerstag für den Brexit entscheiden, dann wäre Boris Johnson womöglich der heißeste Anwärter auf das Amt des Premierministers. Für seinen Vater Stanley Johnson ist das eine „großartige Vorstellung“. Was sich nach Familienfrieden anhört, ist aber gar keiner. Senior Stanley, ein ehemaliger Europaabgeordneter und früherer Vertreter der EU-Kommission, will am kommenden Donnerstag gegen den Brexit stimmen – anders als der Sohn, der bekanntlich zu den führenden Köpfen der „Leave“-Kampagne gehört.

„Es ist nicht zwangsläufig so, als ob Welten zwischen uns liegen würden“, erklärt Stanley Johnson. Auch der Vater des früheren Londoner Bürgermeisters hat einiges an der EU auszusetzen. Die EU müsse den Euro abschaffen und die Einwanderung besser kontrollieren, meint er. Aber trotz aller Kritik will er an einer anderen Stelle sein Kreuzchen machen als der Sohn. Er wünsche sich, dass die Briten in der EU bleiben „und die Reformen von innen durchsetzen“, sagt er zur Begründung.

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In seiner Zeit in Brüssel hat Johnson senior an der europäischen Umweltgesetzgebung mitgewirkt. Heute ist er Ko-Vorsitzender der Umweltbewegung „Environmentalists for Europe“. „Der Brexit würde viel verändern“, warnt er. „So würde es in manchen Bereichen keine gemeinsamen Vorschriften mehr geben.“

Stanley Johnson hat auch Verständnis für die Gegenseite

Trotz seiner Unterstützung für das „Remain“-Lager hat Stanley Johnson aber auch Verständnis für die Gegenseite: „Die Brexit- Befürworter kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen, und ich respektiere ihre Beweggründe.“ Das gilt etwa für eines der Hauptargumente der Brexit-Verfechter, dem zufolge Großbritannien als EU-Mitgliedstaat scheinbar nicht in der Lage ist, seine Grenzen zu sichern. Deshalb hat Boris Johnson gefordert, nach einem Votum für den Brexit ein Punktesystem für Einwanderer nach australischem Vorbild einzuführen. Nach diesem System würde nur in Großbritannien aufgenommen, wer die englische Sprache bereits gut beherrscht. Auch Johnson senior fordert Beschränkungen bei der Einwanderung. Er erwartet, dass die britische Bevölkerung demnächst auf mehr als 80 Millionen Einwohner anwächst. „Diese Situation ist inakzeptabel.“

„Ganz Europa wird aufatmen, wenn sich das Vereinigte Königreich für die EU entscheidet“, weiß der Vater von Boris Johnson. Er fände es aber keine gute Idee, wenn die Europäer nach einem Votum für die EU einfach wieder zur Geschäftsordnung übergingen. „Dann“, sagt er, „sollten sich unsere europäischen Verbündeten allerdings genau ansehen, warum wir so kurz vor dem Absprung gestanden haben.“

Der europapolitische Onlinemagazin „EurActiv“ und der Tagesspiegel kooperieren miteinander.

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