Bundeswehr als Arbeitgeber : Ursula von der Leyens Reformpläne

Die Verteidigungsministerin will die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver machen. Dazu soll sie nicht nur familienfreundlicher sein, sondern auch mehr Komfort bieten. Führen diese Pläne zum Ziel?

Familienfreundlicher will Leyen die Bundeswehr gestalten.
Familienfreundlicher will Leyen die Bundeswehr gestalten.Foto: dpa

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“Von der Leyen wird keine einzige Kaserne in ein Wellness-Hotel verwandeln”, schreibt Christoph Faisst in der Südwest Presse. Das Soldatenleben bleibe hart. Aber da sei jetzt eben eine Ministerin, die sich um das Wohlergehen der Soldaten sorge. Und natürlich müsse die Bundeswehr wie jeder Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Angesichts der Ausrüstungssituation der Bundeswehr sei es dennoch zweifelhaft, ob Mini-Kühlschränke auf den Stuben obeste Priorität haben müssten.

“Jeden Vergleich mit der Wirtschaft wird die Bundeswehr verlieren”, schreibt Robert Birnbaum im Tagesspiegel. Die Bundeswehr müsse auch als Arbeitgeber Kämpfe austragen. Ihre Gegner rücken aber in diesem Fall nicht mit Gewehren an, sondern mit flexiblen Arbeitszeiten. Eine tatsächliche Armee könne da nur begrenzt mithalten; im Ernst- und Einsatzfall könne sie es gar nicht. Trotzdem brauche und vertrage die Bundeswehr durchaus mehr von solchen Ideen, als es von der Leyens Etat hergebe.

“Die deutsche Durchschnittskaserne ist ein in Neonlicht getauchter Albtraum, an dem Behaglichkeit ein Fremdwort ist“, kommentiert Christian Thiels auf tagesschau.de. Eine neu gestrichene Stube sei allenfalls Make-up für den nach wie vor wenig reizvollen Arbeitgeber Bundeswehr. Zu mehr reiche aber das Geld nicht: gerade einmal 100 Millionen Euro in fünf Jahren wolle von der Leyen investieren; das sei bescheiden angesichts der künftigen Herausforderungen.

“Die Bundeswehr hat sicher noch große Reserven, was einen attraktiven Arbeitgeber anbelangt“, meint Stefan Vetter von der Westdeutschen Zeitung. Sie könne und werde aber nie ein Fünf-Sterne-Hotel sein. Die Bundeswehr sei immer noch ein besonderer Arbeitgeber, bei dem zivile Errungenschaften, wie Arbeitszeitflexibilität und Familienfreundlichkeit, naturgemäß an Grenzen stoße. Früher waren Wehrdienstleistende jedoch gesetzlich verpflichtet, 20 Jahre alte Betten hinzunehmen. Das habe sich inzwischen grundlegend geändert.

Die Freiwilligenarmee Bundeswehr konkurriere auf dem Arbeitsmarkt mit der freien Wirtschaft, doch „zu Staatsbürgern in Uniform dürfen nicht nur die werden, die sonst keiner will“, kommentiert Berthold Kohler auf FAZnet. Der Bundeswehr bleibe gar nichts anderes übrig, als attraktiver zu werden. Der Beruf des Soldaten sei eben ein besonderer, in dem, mehr als in jedem anderen, Gesundheit und Leben eingesetzt werden müssen. Darüber könne auch das schönste Buchenfurnier auf dem Spind nicht hinwegtäuschen.

„Das ganze Paket ist in der Tat eine Offensive einer Institution, die um Nachwuchs kämpfen muss“, schreibt Thomas Wiegold im Blog augengeradeaus.net. Doch ein erster Blick zeige schon, dass es um mehr als Flatscreen-Fernseher auf den Stuben gehe. Große Sprünge seien im Hinblick auf von der Leyens Etat nicht zu erwarten, doch es brauche nicht immer Geld, um Forderungen von Soldaten nachzukommen. Inwieweit die Neuregelunge einer neuen Firmenphilosophie ‘Bundeswehr’ folgen oder doch nur zu einer militärischen Institution passen, werde sich erst im Detail zeigen.

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