Demografie in Europa : Aufbruch nach Brüssel

Was Pegida mit Demographie zu tun hat und warum das Netzwerk "Population Europe" seine Kommunikationszentrale von Berlin nach Brüssel verlagert.

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Flaggen verschiedener EU-Staaten vor dem Rathaus in der Prager Altstadt.
Flaggen verschiedener EU-Staaten vor dem Rathaus in der Prager Altstadt.Foto: dpa

Die Adresse könnte kaum besser sein, trotzdem sitzt Harald Wilkoszewski von "Population Europe" auf gepackten Koffern. Von der Markgrafenstraße am Gendarmenmarkt zieht er Anfang Februar in die Brüsseler Rue Royale. Von hier, nicht aus Berlin, soll künftig die Arbeit von 29 renommierten Demografie-Instituten der europäischen Öffentlichkeit vermittelt werden.

2009 gegründet, konzentriert sich das Netzwerk darauf, Demografie-Forschung in Europa voranzubringen sowie den Kontakt zu Brüsseler Institutionen zu stärken. Das funktionierte auch aus den Räumen der Max-Planck-Gesellschaft im Wissenschafts-Forum in Berlin. Aber "als das europäische Forschungsnetzwerk der politikrelevanten Demografie" wolle man jetzt "näher an der europäischen Politik und Öffentlichkeit sein", so Andreas Edel, Leiter von "Population Europe". Die konzentriere sich "zu einem großen Teil in Brüssel". Und deshalb eröffnet jetzt dort die Kommunikationszentrale von "Population Europe".

Arbeiten wird diese ebenfalls in Räumen der Max-Planck-Gesellschaft: Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung ist Netzwerk-Partner. Ebenso wie das "Oxford Population Center" der Universität Oxford, das Wiener Wittgenstein-Center für Demografie und andere renommierte Institute aus EU-Ländern sowie der Schweiz und Russland. Das zeichnet "Population Europe" aus, erklärt Andreas Edel. Mit "Partnerinstituten in ganz Europa" könne man "Vergleiche zwischen einzelnen Ländern anbieten, die wichtig sind, um gesellschaftliche und politische Auswirkungen von Bevölkerungstrends zu verstehen".

Harald Wilkoszewski, künftiger Leiter des Brüsseler Büros, macht’s konkret: Angesichts von Pegida und Einwanderungsdebatten könne man Daten liefern, wo in Europa Integration unter welchen Voraussetzungen gut funktioniere. Oder zu anderen Fragen, die viele Menschen interessieren dürften: Wer altert wie und warum? Was bedeutet Generationengerechtigkeit und wie kann sie funktionieren? Oder: Unter welchen Rahmenbedingungen bekommen Menschen Kinder? Dass "Population Europe" darauf Antworten hat, soll nun über Brüssel gerade unter Journalisten bekannt werden. Wilkoszewskis erste Aufgabe und die seiner Mitarbeiter wird daher sein, die Kontakte zu Brüsseler Medienvertretern und NGOs auszubauen.

Die Arbeit wird ihm nicht ausgehen, das Thema Demografie nimmt an Relevanz weiter zu. Was auch die Bundesregierung seit 2012 mit einer "Demografiestrategie" anerkennt. James Vaupel, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und Trustee von "Population Europe", verweist auf die steigende durchschnittliche Lebenserwartung: "Pro Jahr gewinnen wir circa drei Monate hinzu", sagt er. Da ergäben sich eben ganz grundsätzliche Fragen: "Was machen wir mit dieser hinzugewonnenen Zeit? Wie können wir sie möglichst gesund und aktiv innerhalb der Gesellschaft verbringen?"

Dieser Text erschien in der "Agenda" vom 27. Januar 2015 - einer neuen Publikation des Tagesspiegels, die jeden Dienstag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie im E-Paper des Tagesspiegels lesen.

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