Kantine im Auswärtigen Amt : Weltküche am Werderschen Markt

Internationale Speisen und herzlicher Service – zu Gast in der Diplomaten-Kantine des Auswärtigen Amts. Teil 7 der Serie.

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Der Neubau des Auswärtiges Amtes in Berlin.
Der Neubau des Auswärtiges Amtes in Berlin.Foto: IMAGO/F. Berger

Voll ist es im Auswärtigen Amt (AA), die Sicherheitsüberprüfungen am Haupteingang des Neubaus sind noch genauer als an normalen Tagen. Denn am Tag unseres Kantinentests ist Botschafterkonferenz beim damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Hunderte von Mitarbeitern der deutschen Auslandsvertretungen sind zusätzlich im Haus. Die Mitarbeiterin des Amts, die sich bereit erklärt hat, die Kantine zu zeigen, führt über den Protokollhof, von dort in den Altbau des Ministeriums.

Am Empfangsbereich für die Botschaftsmitarbeiter vorbei gelangt man zu den schönen alten Paternostern. Die dunkle Holztäfelung und die goldenen Art-Déco-Griffe stammen noch aus der damaligen Reichsbank, die bis zum Jahr 1945 ihren Sitz im Gebäude hatte. Später war hier das Finanzministerium der DDR untergebracht, ab 1959 tagte am Werderschen Markt das Zentralkomitee der SED. Die Kabinen des "Personenumlaufaufzugs", so lautet die offizielle Bezeichnung des Paternosters, führen hoch in den sechsten Stock, wo die Kantine des Auswärtigen Amts untergebracht ist.

Rechts vom Hauptraum liegt die kleine Cafeteria, welche die Mitarbeiter des Amts außerhalb der Mittagszeit mit Brötchen, Croissants, Snacks und natürlich mit Kaffee versorgt. Der große Raum der Hauptkantine ist zurückhaltend eingerichtet, viel dunkles Holz, altes Parkett, geschmackvolle Textiltapeten. Raumtrenner zwischen den Tischreihen dämpfen die munteren Tischgespräche. Hier lässt sich tafeln.

Um halb eins sind nur wenige Plätze an den langen Tischen der Kantine frei, die Krawattendichte ist hoch, die Stimmung dennoch ausgelassen. Die Begleiterin grüßt nach links und rechts, überall stehen Mitarbeiter in spontanen Grüppchen, zur Konferenz trifft man alte Bekannte und Kollegen, die aus aller Welt nach Berlin gekommen sind.

Vor dem Ausgabebereich hängt die weltoffene Speisekarte. Von karibischen Reisgerichten über italienische Pasta bis zum französischen Coq au vin reicht das abwechslungsreiche Wochenangebot. Dazwischen deutsche Klassiker wie Rindergulasch mit Paprika oder das legendäre Steak "Strindberg" in Senf-Ei-Zwiebelhülle, das in den 1960er Jahren die "besseren" Restaurants der Bundesrepublik eroberte.

Neben der Wochenkarte stehen, wie inzwischen oft in Kantinen üblich, die Schaugerichte hinter Glas, die heute im Angebot sind: Schweineschnitzel "Jäger Art" mit Waldpilzen und Kartoffeln für 3,80 Euro, gefüllte Gemüsemaultaschen "auf Ratatouille" zu 3,50 Euro oder Spinat-Lasagne auf Blauschimmel-Käsesoße für ebenfalls 3,80 Euro.

Man muss nicht lange anstehen. Jedes Gericht wird an einem Extra-Schalter ausgegeben, einer davon bringt, wie die Begleiterin erzählt, täglich eine andere Pasta aufs Tablett. Suppen oder eine gute Auswahl an Salaten und Antipasti bekommt man in Selbstbedienung. Sehr zu loben ist die Herzlichkeit der Mitarbeiter am Tresen, begrüßt wird der Gast mit einem zünftigen "Mahlzeit!", und es wird auch nicht gemeckert, wenn man statt der Waldpilze lieber Ratatouille zum Jägerschnitzel möchte.

Das Essen selbst ist auf akzeptablem Kantinenniveau. Die indonesische Reispfanne "Nasi Goreng" mit Hühnchen und Apfel-Currysauce (2,50 Euro) ist mit frischem Ingwer und Koriandersamen gewürzt, das Fleisch könnte subjektiv ruhig noch eine Prise schärfer sein. Am Schweineschnitzel "Jäger Art" gibt es geschmacklich nichts zu meckern, und das Extra-Ratatouille ist dankenswerterweise nicht verkocht.

Höhepunkt des Mittagessens wird der sehr gute Cappuccino, der wegen des schönen Wetters oben auf der Dachterrasse eingenommen wird. Hier stehen die Raucher und diejenigen, die einfach die Sonne und das Panorama mit Fernsehturm, Berliner Dom, der von Eigentumswohnungen umzingelten Schinkelkirche und der Schlossattrappen-Baustelle genießen. Ein schönerer Ausblick über die alte Berliner Mitte dürfte nach einem Kantinenbesuch im Regierungsviertel schwer zu finden sein.

KANTINE IM AUSWÄRTIGEN AMT

Öffnungszeiten Mo.–Do.: 7.30 bis 16.30 Uhr Fr.: 7.30 bis 15 Uhr

Mittagsangebot gilt von Mo.–Fr.: 11.30 bis 14 Uhr

Werderscher Markt 1, 10117 Berlin

Nur mit Besucherausweis

GESCHMACK: 3 von 5 Sternen

Keine Haute Cuisine, dafür ordentlich zubereitete Hausmannskost, internationale Abwechslung inklusive, gutes vegetarisches Angebot.

ATMOSPHÄRE: 4 von 5 Sternen

Bequeme Stühle, lange Tische, geschmackvolle Räume mit viel dunklem Holz. Sehr familiärer Umgangston, die Tresenkräfte sind enorm freundlich.

POLITIKERDICHTE: 3 von 5 Sternen

Die ganz hohen Tiere verkehren hier nicht, die rund 3000 Angestellten und Beamten des Ministeriums bleiben weitgehend unter sich. Die Krawatte gehört zum wichtigsten Accessoire bei den männlichen Besuchern.

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS: 5 von 5 Sternen

Kleine Hauptgerichte gibt es schon ab 2,50 Euro, Gänge mit Fisch oder Fleisch kosten maximal 4,50 Euro.

Der Text erschien in der "Agenda" vom 18. Oktober 2016 - einer Publikation des Tagesspiegels, die jeden Dienstag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie im E-Paper des Tagesspiegels lesen.

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