Kantine im Wirtschaftsministerium : Gehen wir in die Wirtschaft

Von Braten bis Eintopf: Im Wirtschaftsministerium werden mittags gern Kantinenklassiker serviert. Teil 8 der Serie.

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Üblich sind Tagesgerichte wie dieses Chop Suey
Üblich sind Tagesgerichte wie dieses Chop SueyFoto: Pöppl

Die schönste Anreise zur Kantine des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erfolgt zu Fuß vom Hauptbahnhof aus, vorbei am Hamburger Bahnhof über den einstigen Grenzübergang an der Invalidenbrücke. Die Historie zeigt sich überall: Schon von Weitem sieht man den graubraunen Bau am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, der 1905 unter Wilhelm II. für die „Akademie für das militärärztliche Bildungswesen“ erbaut wurde. Zum Gelände des Ministeriums an der Scharnhorststraße gehört aber vor allem das Areal des Invalidenhauses, in dem seit Zeiten Friedrichs des Großen dienstunfähige Soldaten kuriert wurden. Nördlich des Ministeriums liegt der schöne Invalidenfriedhof, auf dem tatsächlich noch echte Reste der Berliner Mauer zu finden sind, und wo immer noch, so die Volkssage, die Geister der preußischen Generäle ihr Unwesen treiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil des bombenzerstörten Geländes abgerissen, in den erhaltenen Gebäuden befanden sich unter anderem ein Militärkrankenhaus der Sowjetarmee, diverse Ministerien und das Regierungskrankenhaus der DDR. Mehr zur wechselvollen Geschichte des Geländes und der Gebäude findet man übrigens auf den Webseiten des Wirtschaftsministeriums.

Das heutige Areal des BMWi besteht aus einer klugen Mischung von saniertem historischen Bestand und notwendigen, dem Denkmalschutz angepassten Neubauten. Der Weg über den Hof führt vorbei an den zweistöckigen lang gezogenen Veteranenhäusern. Im angegliederten Neubau liegt die Kantine des Ministeriums, die seit 2006 von „Börner Büffet“ betrieben wird. Rund 850 Essen gibt die Küche der Berliner Cateringfirma täglich aus. In zwei Bereichen sitzen die Mitarbeiter des Ministeriums beim Essen: einem kleineren schlauchartigen, und einem hohen, sonnendurchfluteten Raum. Die Einrichtung ist eher zweckmäßig als schick. Die Wochenkarte am Eingangsbereich zeigt, dass hier klassische Kantinenkost auf die Teller kommt, vom „Schweinebraten mit Rahmsoße und Salzkartoffeln“ (2,65 Euro) am Montag, über die „Gegrillte Hähnchenkeule mit Oliven-Tomatensoße“ am Mittwoch (2,65 Euro) bis zum „Gebratenen Fischfilet auf Zitronenbuttersoße mit Reis“ (2,65 Euro) am Freitag. Und das alles zu einem mehr als günstigen, aber krummen Preis, der an Vormauerfall-Besuche in Ostberlin erinnert.

Die Tagesgerichte sind als Schauteller auf einem Holzregal präsentiert, am Besuchstag stehen neben der Hähnchenkeule auch „Spaghetti Napoli mit Käse“ (2,05 Euro), „Hackfleischsteak mit Mischgemüse, Bratensoße und Salzkartoffeln“ (2,55 Euro) oder die „vegetarische Schupfnudelpfanne mit Kräuterdip und kleinem Salat“ (2,25 Euro) zur Auswahl. Als Aktionsgericht gibt es „Shop (!) Suey vom Rindfleisch auf Chinagemüse“ (4,60), das teuerste Gericht, das klingt nach einer kulinarischen Herausforderung. Zum täglichen Angebot gehören Eintöpfe und Suppen, die in der Kantinenküche zubereitet werden. Abgeholt werden die Gerichte an den jeweiligen Ausgabestellen, das erspart Schlangen, die Mitarbeiter hinterm Tresen grüßen freundlich mit Kopfnicken und dem obligatorischen „Mahlzeit!“

Und es schmeckt: Der „Möhreneintopf mit Petersilie“ (1,85 Euro) ist frisch und noch bissfest, die feine Brühe scheint ohne zusätzliche Hilfsmittel aus der Dose zustande gekommen zu sein. Auch das falsch geschriebene Chop Suey überrascht: Das Rindfleisch ist angenehm mürbe gekocht, das „Chinesische Gemüse“ mit Kohl und Möhren genau richtig, ebenso der Reis, sogar die Würzung kommt dem asiatischen Original sehr nahe. Ein Löffel Sambal Olek, den man sich selbst auf den Teller packen darf, verleiht dem Gericht die notwendige Schärfe.

Um es auf Berlinisch zu sagen: Da kann man echt nicht meckern! Die rund 1200 Mitarbeiter des Ministeriums, vom Praktikanten bis zum Staatssekretär, sehen das wohl so ähnlich, der Andrang mittags ist groß. Ihr oberster Dienstherr übrigens, so war zu erfahren, lässt sich in der Kantine selten sehen. Da verpasst Sigmar Gabriel tatsächlich etwas.

KANTINE IM MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT

Öffnungszeiten
Cafeteria: Mo.–Fr.: 7–16 Uhr

Kantine: Mo.–Fr.: 11.30–14.30 Uhr

Scharnhorststraße 37–39

GESCHMACK: 4 von 5 Sternen
Klassische Kantinenküche, Schwerpunkt auf regionalen Rezepten.

ATMOSPHÄRE: 4 von 5 Sternen
Heller Raum, gelegentlich etwas laut. Freundlicher Service.

POLITIKERDICHTE: 3 von 5 Sternen
Verhältnismäßig junges Publikum, man gibt sich lässig.

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS: 5 von 5 Sternen
Bisher die preiswerteste aller getesteten Ministeriumskantinen.

Der Text erschien in der "Agenda" vom 29. November 2016 - einer Publikation des Tagesspiegels, die jeden Dienstag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie im E-Paper des Tagesspiegels lesen.

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