Political Animal : Die SPD und das Haus Hannover

Schröder, Gabriel, Weil – die Eigenwilligkeiten sind dynastisch angelegt. Der Untergang der Bundes-SPD hat immer wieder mit dem Haus Hannover zu tun.

von
Haus Hannover: Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Chef Sigmar Gabriel auf dem SPD-Parteitag 2015.
Haus Hannover: Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Chef Sigmar Gabriel auf dem SPD-Parteitag 2015.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Jetzt geht’s lohoos – so lautete mal ein Schlachtruf der SPD in nahezu aussichtsloser Lage. Es hat ja auch geklappt, damals: Um ein Haar wäre Rudolf Scharping – ja, wirklich – 1994 Bundeskanzler geworden. Viel hat nicht gefehlt, und er hätte den Dauerkanzler Helmut Kohl abgelöst, dessen Macht gerade bröckelte. Also musste Wolfgang Schäuble ran und sich jeden Dienstag unbeliebt machen und in der Fraktionssitzung alle einnorden, die anderer Meinung waren. Sonst wäre nämlich sofort Schluss gewesen mit Kohl und der damaligen schwarz-gelben Koalition.

Das nur zur Erinnerung für alle, die denken, der Wahlkampf 2017 sei schon gelaufen. Auch wenn man sich denken kann, dass da noch etwas kommen muss bei der SPD. Damals war es die Troika, mit dem Rheinland-Pfälzer Scharping, dem Niedersachsen Gerhard Schröder und dem Saarländer Oskar Lafontaine.

Heute soll es dieses Duo richten: der Rheinländer Martin Schulz und der Niedersachse Sigmar Gabriel, der eine als Kanzlerkandidat, der andere als Tausendsassa. Gabriel darf es nur nicht übertreiben – womit wir wieder bei der Zeit der Troika und bei Schröder wären. Der hatte es nämlich auch übertrieben mit Alleingängen und wurde, weil er die Autorität des Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden infrage stellte, geschasst. Was Gabriel, Schröders politischem Ziehsohn, aber so nicht passieren wird. Schon deshalb nicht, weil er das wandelnde Parteiarchiv ist und sich noch entsinnen kann, was damals geschah und zur Niederlage führte: offene Illoyalität. Bei der war Schröder erwischt worden.

Elite der Partei

Ja, der Untergang der Bundes-SPD hat immer mal wieder mit dem Haus Hannover zu tun. Eigenwilligkeiten sind geradezu dynastisch angelegt. Eigenwillig war Stephan Weil mit seinem Steuerkonzept, das nicht nur den zuständigen SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel aus dem Konzept brachte. Eigenwillig bleibt Gerhard Schröder, der Einfluss gegen die Machtperspektive Rot-Rot-Grün nimmt. Willig ist Hubertus Heil, wobei die Entscheidung für ihn als Generalsekretär eigen ist, aber damit zu tun hat, dass er zu den Niedersachsen gehört.

Die SPD im Haus Hannover sieht sich als die Elite der Partei an. Weil das so ist, beansprucht sie die Führung des Bundestagswahlkampfs. Da stört es keinen, dass Heil, von 2005 bis 2009 schon einmal Generalsekretär, das historisch schlechteste Ergebnis der SPD im Bund – 23 Prozent – mitzuverantworten hat. Eine Scharte, die er nun auswetzen könnte, zumal die NRW-SPD, früher ein Paradestück an Machtbewusstsein, am Boden liegt. Hannelore Kraft, das am Rande, wird von manchen frustrierten Genossen vorgehalten, mit ihrem Wahlkampf zwischen Rhein und Weser nicht nur NRW verloren zu haben.

In dieser Woche will die SPD-Führung ihr Rentenkonzept für den Wahlkampf vorstellen, und da ist dann wieder eine Rheinland-Pfälzerin dabei: Andrea Nahles. Die war übrigens auch schon mal Generalsekretärin und ist machtbewusst genug. Vielleicht könnte Nahles das Duo bei Gelegenheit ergänzen. Wir erinnern uns: Wäre die Troika damals zusammengeblieben … dann wäre die Geschichte heute eine ganz andere.

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben