Political Animal : Die Welt wird ver-rückt

Nur noch eines ist heutzutage gewiss: dass nämlich die Zukunft ungewiss ist. Doch trotz schwerer Zeit: Nichthandeln und Ohnmacht können wir uns dennoch nicht leisten. Ein Kommentar.

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Seit Donald Trump regiert, regiert auch das Chaos. Foto: imago/UPI Photo
Seit Donald Trump regiert, regiert auch das Chaos.Foto: imago/UPI Photo

Die Welt wird gerade eine andere. Um die Radikalität des Wandels zu versinnbildlichen: Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass heute ein Immobilientycoon zweifelhaften Rufs Präsident der letzten verbliebenen Supermacht auf dieser Erde sein würde? Und wer das behauptet hätte, der wäre verlacht, wenn nicht sogar für verrückt erklärt worden. Aber genau darum geht es: Die Dinge werden ver-rückt. Was gestern noch war, kann morgen schon als „obsolet“ gelten, um ein Wort von Donald Trump über die Nato aufzunehmen. Oder frei nach der Bundeskanzlerin: Es ist nicht mehr so, dass man sich auf etwas noch vollständig verlassen kann.

Außer eben vielleicht darauf, dass eines gewiss, nämlich dass die Zukunft ungewiss ist. Um das aber aus dem quasi-philosophischen Zusammenhang zu lösen, ist es jetzt umso nötiger, vorausschauend zu denken. Denn wer das tut, der stößt heute schon Handlungen an, die sich erst noch auswirken werden. Was wiederum – vernetzt gedacht – den Wert der Beratungen von Thinktanks und jungen Leuten aus 100 Ländern ausmacht, die den G-20-Prozess begleiten, der dieser Tage in Deutschland Station macht. Nur weil einer den Prozess nicht verstehen mag, weil der den Teil internationaler Politik repräsentiert, die wirksam werden kann, heißt es nicht, dass er an Wert verlöre. Im Gegenteil, alles hat seine Zeit, und es gibt eine nach Trump, das ist ganz gewiss. Politik, also das Denken an und für nachfolgende Generationen, endet nicht mit einer Wahl.

„Global Solutions“, weltumspannende Lösungen, sind nötig bei vielen Fragen: Wie kann der Multilateralismus gerettet werden? Welche Rolle spielt die Religion bei globaler Problemlösung? Wie lässt sich international zusammenarbeiten beim Steuerthema, um Entwicklung zu fördern? Was lässt sich lernen aus dem EU-Türkei-Flüchtlingsdeal? Wie passen Klimapolitik und die Wahrung finanzpolitischer Seriosität zusammen? Und noch mehr Fragen, die alle behandelt werden, damit die, die auf dem G-20-Gipfel Weichen stellen sollen, das verantwortlich tun können.

Expertise verhindert zumindest eines: das Gefühl von Ohnmacht durch Überforderung. Wenn nämlich dieses Gefühl das Handeln bestimmt, führt es schnell zum Nichthandeln. Das kann sich die Welt nicht leisten, bei so viel Wandel. Da müssen wir heute nachdenken, weil wir nicht wissen, ob wir es morgen schaffen können.

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