Political Animal : Hilfe für Lotsen durchs Leben

Jugendämter verdienen mit ihren Forderungen zur Integration mehr Gehör. Der "Tag des Jugendamts" erinnert daran, dass die Jugendämter derzeit 63.000 junge Flüchtlinge betreuen.

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Ein Flüchtlingskind weint auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin.
Ein Flüchtlingskind weint auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin.Foto: dpa

Hier soll einmal von denen die Rede sein, die öffentlich zumeist wenig Gehör finden. Der „Tag des Jugendamts“ erinnert daran: an ein Jahr Integration junger Flüchtlinge, geleistet von den rund 600 Jugendämtern in Deutschland.

Die Ämter betreuen derzeit rund 63.000 junge Flüchtlinge, 51.000 Minderjährige und 12.000 junge Volljährige. Die Jugendämter geben „vielen jungen Flüchtlingen die erste, entscheidende Starthilfe ins neue Leben – eine soziale, pädagogische und menschliche Mammutaufgabe“, sagt Birgit Zeller, die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter ist.

Zeller zieht eine positive Bilanz – und sie hat alles Recht dazu. In der Tat sind die Jugendämter wichtige Integrationshelfer, und der Begriff „Lebens-Lotsen“ ist nicht zu hoch gegriffen. „Das Spektrum, um das sich die Jugendämter kümmern, ist breit: von A wie Alphabetisierung und Aufklärung bis Z wie Zugang zum Arbeitsleben, Zwangsheirat und Zuwendung“, erklärt Zeller. Die Jugendämter arbeiten mit Schulen, Arbeitsagenturen und Ausländerbehörden zusammen. Sie integrierten die jungen Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, in Sportvereine, in die Stadtteil- und Jugendarbeit.

Mehr Ausbildungsplätze

Aber Deutschland muss „Willkommens-Reserven“ mobilisieren, findet die Arbeitsgemeinschaft. Sie baut auf die Wirtschaft, vom Handwerksbetrieb bis zum Konzern: Es müssten mehr Ausbildungsplätze bereitgestellt werden. Die Jugendämter brauchen gerade für die (starke) Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen Hilfe beim Start ins Berufsleben. Ein Ausbildungsplatz biete eine echte Bleibeperspektive, sagt Birgit Zeller, und jedes Jugendamt kenne viele geflüchtete Jugendliche, „für die es schade wäre, wenn ihnen diese Chance nicht gegeben würde“.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter warnt vor einer „Perspektiv-Krise“. Die Unsicherheit über ihre Zukunft in Deutschland zermürbe und belaste die jungen Menschen. Oft sei es Angst vor Abschiebung in ein vermeintlich sicheres Herkunftsland. Dabei seien viele motiviert und integrationswillig. Sie bräuchten einen Aufenthaltstitel und einen Pass, möglichst schnell, um einem enormen Problem entgegenzuwirken.

Diesen Hilferuf nicht zu überhören, ist eine berechtigte Forderung an die Gesellschaft.

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