Meine Woche (6) : Liebt euch!

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 24, ist seit Mai in Berlin. Hier erzählt er,wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, was gibt es Neues? Haben Sie endlich Ihren Termin für den Reisepass?

Leider nicht. Ich habe noch keinen Termin, um die Fingerabdrücke für den Reisepass abzugeben. Und deshalb auch noch keinen Termin beim Jobcenter. Dort kann ich erst hin, wenn ich alle Papiere beisammen habe. Ich glaube nicht, dass ich diesen Monat Geld bekomme. Aber es könnte natürlich schlimmer sein.

Sie hören sich gerade ziemlich niedergeschlagen an.

Ach, ich habe einfach das Gefühl, dass es im Moment so viel blinden Hass gegen Flüchtlinge gibt – und es wird immer schlimmer. Es heißt, wir seien alle gewalttätig, unsere Kinder seien gewalttätig. Eine Freundin hat mir erzählt, dass ihre Mutter sagt: Flüchtlinge sind nur wegen des Geldes in Deutschland. Was soll ich dazu sagen? Ich bin nicht wegen des Geldes hier. Ich bin hier, um etwas zu tun, um zu arbeiten, um mir eine Zukunft aufzubauen. Es macht mich echt traurig, wenn ich so etwas höre.

Begegnen Sie vielen Vorurteilen?

Häufig. Eine Sache, die mich wirklich aufregt, ist die mit den Smartphones. Letztens sagte ein Bekannter zu mir, ohne zu wissen, dass ich aus Syrien komme: „Deutschland nimmt jetzt auch Flüchtlinge mit Smartphones auf.“ Was erwarten der denn? Jeder, der auf eine lange Reise geht, würde sein Smartphone mitnehmen. Um sich zu informieren, um sich zurechtzufinden, um mit anderen zu kommunizieren. Für mich ist mein Smartphone unfassbar wichtig, um mit meiner Familie zu skypen.

Wurden Sie auch körperlich angegriffen?

Nicht schlimm. Aber kürzlich bin ich auf meinem Rad recht langsam auf der Straße an einem Mann vorbeigefahren, der mich, nachdem er mich angesehen hat, klar mit Absicht geschubst hat. Ich hab kurz angehalten, aber nichts gesagt, bin dann weiter. Ich will ja keinen Ärger.

Welches arabische Wort geben Sie uns diese Woche mit auf den Weg?

Weil es so viel Hass gibt, will ich diese Woche sagen: Hebo badkon. Liebt euch!

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.