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Albas Gegner ZSKA Moskau : Zu reich für Europa

04.01.2013 15:20 Uhrvon
Der Weg des Geldes. Nenad Krstic spielt lieber in Russland als in der NBA. Foto: AFPBild vergrößern
Der Weg des Geldes. Nenad Krstic spielt lieber in Russland als in der NBA. Foto: AFP - Foto: AFP

Der ZSKA Moskau kennt im Basketball finanziell keine Grenzen – doch die bekommt Albas nächster Gegner in der Euroleague nun aufgezeigt.

Größenunterschiede im Basketball lassen sich nicht nur beobachten, wenn Centerriesen und Point-GuardZwerge um den Ball rangeln. Es sind auch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel: mit dem eigenen Privatjet zum Auswärtsspiel düsen. So wie es ZSKA Moskau handhabt vor dem Euroleague-Match bei Alba Berlin am Freitag (19 Uhr, Arena am Ostbahnhof, live und kostenpflichtig bei Sport1+). Nicht das Einzige, das die Russen von den Berlinern unterscheidet, die meist mit Bus oder Linienflügen unterwegs sind.

Mit einem offiziellen Budget von 44 Millionen Euro ist ZSKA Moskau der reichste Basketballklub außerhalb Nordamerikas. „Das ist ein NBA-Budget“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi.

Der Etat der Russen ist etwa sechsmal so hoch wie Albas, fast doppelt so groß wie beim letzten Berliner Euroleague-Gegner Real Madrid, der mit 28 Millionen Euro Etat schon übermächtig schien. „Es ist trotzdem nicht ausgeschlossen, dass wir gegen Moskau bestehen“, sagt Baldi. Was soll man auch sagen? Der Gegner reist schließlich mit Stars wie den Serben Milos Teodosic und Nenad Krstic an, der sechs Jahre in der NBA spielte. „Aber warum soll er da weiterspielen, wenn er in Russland vermutlich mehr verdient?“, fragt Baldi.

ZSKA ist jedoch kein Retortenprodukt, der frühere Armeesportklub dominierte jahrzehntelang in der Sowjetunion. Aber mittlerweile ist ZSKA wie viele Sportklubs in Russland in der Hand milliardenschwerer Eigentümer aus dem politwirtschaftlichen Bereich. 1997 kaufte Norilsk Nickel den Klub. Der weltweit führende Produzent von Nickel schürft vom Polarkreis bis nach Botswana, ist der größte Luftverschmutzer Russlands und verdankt seinen Aufstieg dem Oligarchen Michail Prochorow. Der reichste Mann Russlands, zuletzt auch Präsidentschaftsbewerber, hat ein Basketballfaible, den er mittlerweile lieber als Eigentümer der Brooklyn Nets in der NBA auslebt.

In Russland dominiert ZSKA als 19-maliger Meister, aber auch in der Euroleague: zehn Final Fours in zwölf Jahren und sechs Titel stehen dafür. In kleinen Kreisen lassen ZSKA-Verantwortliche schon mal durchblicken, dass es finanziell keine Grenzen gebe. Und die Dominanz könnte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen und damit die Schere schleifen, die reiche und einst reiche Klubs trennt. Spitzenteams aus den Krisenländern Spanien, Italien und Griechenland müssen sparen. In wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie Russland oder der Türkei hingegen steigen die Budgets. „Im Sommer war auf dem Transfermarkt spürbar, dass die Spieler dahin gehen, wo es finanziell keine Limits gibt“, sagt Baldi. Er wolle das nicht werten, aber es sei nicht Albas Weg.

Um das Gleichgewicht in Europa zu halten, hat die Euroleague vor einigen Monaten die Einführung eines Financial Fair Plays beschlossen, nach dem Vorbild des Fußballs. Ein Mindestetat und eine Verlustgrenze für teilnehmende Klubs, die künftig nicht mehr ausgeben sollen, als sie einnehmen – all das gilt ab der Saison 2015/16. In der aktuellen Spielzeit schaut die Fair-Play-Kommission erstmals in die Klubbilanzen. Verstöße können auch rückwirkend mit Sanktionen von Geldstrafen bis zum Ausschluss aus dem Wettbewerb bestraft werden. „Ziel ist es, zu vermeiden, dass Geld aus dunklen Quellen in den Sport kommt, dass schlecht gewirtschaftet und der Wettbewerb verzerrt wird“, sagt Jan Pommer. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) war maßgeblich an den Fair-Play-Leitlinien beteiligt, die laut Pommer zu drei Viertel denen der BBL entsprechen. Dass deutsche Klubs künftig bessere Chancen in Europa haben könnten, „war keine Motivation des Fair Plays, aber es könnte ein Vorteil sein, dass sie mit den Vorgaben schon vertraut sind“. Aber eines steht fest: Reiche und weniger reiche Klubs wird es immer geben, so wie Center immer groß und Point Guards im Vergleich eben immer klein sein werden.

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Alba

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