Eurocup : Alba und der Fluch von Tübingen

Die Berliner kassieren gegen Aris Saloniki die erste Niederlage in der Zwischenrunde. Als Grund dafür wird ausgerechnet der klare Bundesliga-Sieg gegen Tübingen ausgemacht.

Helen Ruwald

Dragan Dojcin war siegessicher gewesen. „Nachdem ich Aris auf Video gesehen hatte, dachte ich, wir könnten mit 20 Punkten Unterschied gewinnen“, gab er nach dem Spiel freimütig zu. Er irrte sich gewaltig. Sein Klub Alba Berlin verlor das Heimspiel gegen Aris Saloniki am Dienstagabend mit 61:65 und Dojcin traf nur bei einem von neun Wurfversuchen in den Korb. "Wir haben die einfachen Punkte nicht gemacht“, sagte der Serbe nach Albas erster Niederlage in der Eurocup-Zwischenrunde. "Das war eine gute Gelegenheit, die Tür zum Viertelfinale weit aufzumachen. Wir haben sie nicht genutzt“, bedauerte Geschäftsführer Marco Baldi.

Alba bleibt nach drei Spieltagen zwar Tabellenerster, hat aber nur einen Zähler mehr als der Dritte Le Mans und der Vierte Saloniki. Badalona liegt punktgleich mit Alba auf Rang zwei. Die Berliner müssen voraussichtlich noch zwei von drei Spielen – darunter schwere Auswärtsspiele in Spanien und Griechenland – gewinnen, um als Erster oder Zweiter in die nächste Runde einzuziehen. „Vor uns liegen anspruchsvolle Zeiten“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic, der von einem gerechten Sieg für Aris sprach. „Wir waren für diese Art von Druck nicht wachsam genug.“ Obendrein gelang es den Griechen, Albas Antreiber Julius Jenkins völlig aus dem Spiel zu nehmen.

Der Sieg mit 18 erfolgreichen Dreipunktewürfen am Sonnabend gegen Tübingen sei keine gute Vorbereitung auf ein Spiel gewesen, in dem intensiv um jeden Ball gefightet werden musste, befand Albas Trainer. "So ein Erfolg macht einen benommen, man denkt, alles ist wunderbar“, sagte Pavicevic. Baldi bezeichnete die Tatsache, dass Aris ausgerechnet auf Tübingen gefolgt war, als "Katastrophe. Gegensätzlichere Welten gibt es nicht.“ Nicht, weil der Sieg in der Bundesliga am Ende so deutlich war, sondern wegen der völlig anderen Spielweise. Gegen Tübingen kam Alba immer wieder frei zum Wurf, gegen Saloniki "muste man sich für jeden Ball dreimal freilaufen. Jeder Angriff und jede Verteidigung war ein Kampf über 20 Sekunden. Wenn man eine Sekunde schläft, war es das“, sagte Baldi. Gefehlt hätten seinem Team "keine Kleinigkeiten, sondern Winzigkeiten“, so etwa die letzte Konzentration und nötige Ruhe. Und, siehe Dojcin, vielleicht auch die Fähigkeit, den Gegner richtig einzuschätzen.

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