Emma Jendroska, 6K, Phorms-Grundschule : Rund um Berlin - die Mauer

Der 9. November 1989 war ein ganz besonderer Tag. Meine Mutter arbeitete damals schon frühmorgens in der Charité, als sie hörte, dass viele Menschen auf dem Weg zur Mauer waren.

Emmas Mutter hatte ein mulmiges Gefühl beim ersten Überqueren der Mauer. Würde sie wirklich wieder zurückkommen können?
Emmas Mutter hatte ein mulmiges Gefühl beim ersten Überqueren der Mauer. Würde sie wirklich wieder zurückkommen können?Foto: Thilo Rückeis

Sie konnte die Menschen vom Hochhaus aus auch sehen. Nach der Arbeit traf sie sich gegen Mittag mit ihrer Freundin. Meine Schwester Sally war damals gerade zwei Jahre alt und war bei einer Freundin meiner Mutter, mit deren Sohn sie oft spielte.

Meine Mutter hatte an dem Tag geplant, mit ihrer Freundin und ihrem Ehemann ins Kino zu gehen. Auf dem Weg dahin sahen sie einen Strom von Menschen, die Richtung Bornholmer Straße liefen. Viele hatten Kinder auf den Armen und waren ganz begeistert. Meine Mutter und ihre Freunde schlossen sich der Menschenmenge an. Sie liessen sich von der guten Laune der Leute anstecken. Lange Zeit hatten sie einen solche gute Stimmung nicht mehr erlebt.

Sie hatte aber auch ein mulmiges Gefühl, denn es ging direkt auf die Mauer zu und viele Menschen wollten die Mauer überqueren, aber meine Mutter hatte doch ihr Kind noch im Osten. Sie hatte Angst, man würde sie vielleicht nicht mehr zu ihrer Tochter zurücklassen, wenn sie mit den anderen mitging.

Emma mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Sally.
Foto: Privat

Meine Mutter hat noch lebhafte Erinnerungen, wie sie der Mauer immer näher kamen. Alle riefen, die Mauer stehe vor dem Fall. War das ein Scherz, vielleicht ein schlechter? Plötzlich sah sie, dass ein Teil der Mauer herausgebrochen wurde, durch den sich sofort Menschen hindurchzwängten. Die Menschen schrieen, als sei der letzte Tag angebrochen und immer mehr zwängten sich durch den Spalt. Meine Mutter hörte dann, dass der Übergang in der Bornholmer Straße freigegeben wurde. So liefen sie dorthin und konnten die Grenze passieren, allerdings mit einem Stempel im Ausweis, der ihren Pass ungültig machte. Das wusste sie aber in dem Moment nicht.

Das Gefühl, mit all den glücklichen Menschen zusammen zu kommen, war für sie überwältigend. Sie gingen in den Westen! Sie sahen sich dort in der Nähe der Mauer einiges an, aber nach ein paar Stunden kehrten sie doch wieder nach Hause zurück. An der Grenze interessierte sich niemand mehr für ihren Pass. Man war wohl froh, dass überhaupt mal wieder jemand zurückkam. Meine Mutter war heilfroh, als sie ihre Tochter wieder in den Händen hielt und sie hatte ihren Schwiegereltern vieles zu erzählen.

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