Nils Flöttmann, 5a, Carossa-Schule : Grenzenlos

Meine Mutter lebte und arbeitete in der DDR. Sie war Angestellte in einem Berliner Krankenhaus in der Nähe der Mauer. Der 9. November 1989 schien ein ganz normaler Tag zu werden. Doch er sollte Geschichte schreiben.

Simone Flöttmann arbeitete während des Mauerfalls im Krankenhaus. Als sie und ihre Kollegen vom Ereignis erfuhren, rannten sie gemeinsam zur Mauer.
Simone Flöttmann arbeitete während des Mauerfalls im Krankenhaus. Als sie und ihre Kollegen vom Ereignis erfuhren, rannten sie...Foto: Thilo Rückeis

Simone saß in ihrem Trabi und fuhr zur Arbeit. Als sie ankam, ließ sie sich auf ihrem Stuhl nieder und seufzte: "Nachtschicht, na toll!" Das konnte eine lange Nacht werden. Sie sortierte Formulare nach dem Alphabet, so wie es schon Routine geworden war. Wirklich, es schien wie eine ganz normale Nacht. Die Arbeit ging schnell voran, sie arbeitete vor sich hin und achtete nicht mehr auf die Zeit: "Ring, Ring, Pause!" Simone hörte auf zu arbeiten und ging in den Flur. Sie aß ein Müsli und lauschte. Plötzlich brüllte jemand vor Freude den Tränen nahe: Die Mauer, die Mauer!" Man hörte jemanden fragen: "Was ist mit der Mauer?" "Sie, sie, sie, sie, sie ist gefallen!" Alles war still. Simone fragte: "Was?" Der Erste, der sprach, antwortete etwas ruhiger:

Die Berliner konnten den Mauerfall kaum glauben, bis sie selbst auf ihr standen. Dann knallten die Sektkorken.
Die Berliner konnten den Mauerfall kaum glauben, bis sie selbst auf ihr standen. Dann knallten die Sektkorken.Foto: Privat

"Die Mauer ist gefallen!" Alle brachen in grenzenlosen Jubel aus und rannten aus dem Krankenhaus. Der Chef stand ungläubig vor der Tür seines Büros und schrie: "Kommt zurück, ihr müsst noch arbeiten."

Im Vorbeigehen rief die Sekretärin ihm zu: "Die Mauer ist gefallen!" Und dann rannte er mit. Sie liefen zur Mauer und tatsächlich, dort sahen sie Menschen vor und auf der Mauer stehen. Und ohne es zu wollen, zog jemand Simone auf die Mauer. Da stand sie, wacklig, aber sie stand. Die Sektflasche kreiste umher und alle lagen sich in den Armen und tranken. Nach mehrmaligem Hingucken entdeckte Simone Wasserwerfer, die auf die Menschenmenge gerichtet waren. Doch sie schossen nicht.

Und so ging eine Nacht in Berlin und ganz Deutschland in Jubel und Freudentränen zu Ende.

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