Noah Maiß und Lucien Westermeyer, Rückert-Gymnasium : Lange nicht gesehen

Vier Tage nach der Errichtung der Mauer, am 17. August 1961, lernten sich Gudrun Thiel aus Walthershausen und Michel Boisseau aus Paris auf der Wartburg in Thüringen kennen. Sie wurden ein Paar und lebten 1989 mit ihren zwei Töchtern in Paris. Leider sah Gudrun ihre Eltern und ihre Cousins in der DDR sehr sehr selten.

Gudrun und Michel Boisseau vor der Berliner Mauer. 1989 lebte das Paar in Paris; mit dem Mauerfall konnte Gudrun ihre Familie aus der DDR endlich öfter sehen.
Gudrun und Michel Boisseau vor der Berliner Mauer. 1989 lebte das Paar in Paris; mit dem Mauerfall konnte Gudrun ihre Familie aus...Foto: Privat

Seit Monaten verfolgten Gudrun und Michel sehr intensiv über Briefe, das Telefon und Fernsehen die Unmutsäußerungen und den höheren Druck der DDR-Bürger auf die politische Führung. Die täglichen Demonstrationen brachten Hoffnung auf Veränderung aber auch die Angst, dass die Polizei der DDR doch noch auf die Leute schießen könnte. Der Fernseher lief nun ununterbrochen im Hause Boisseau. Als Günther Schabowski vor der Presse sagte, die Grenzen seien offen, hatten alle aus meiner Familie es live mitbekommen. Alle weinten vor Freude, konnten es kaum fassen.

Der Großvater meiner Mutter, der nie aus der DDR ausreisen durfte, wollte unbedingt die Grenze überschreiten. Er setzte sich mit seiner damals kranken Frau in seinen Trabant. In Wartha passierte er den 4 Kilometer breiten Grenzstreifen. Dort traf er nicht auf Menschenmengen wie in Berlin, sondern auf fassungslose Grenzbeamte. ES GING!!! An der Seite seiner Frau rollte er über die 28 Jahre geschlossene Grenze. Auch Gudruns Cousine probierte den Übergang von Ost nach West, wie auch die meisten der seit über 20 Jahren nicht mehr gesehenen Freunde.

Mein Urgroßvater rief meine Großmutter in Paris an. Mit allen ihrer Freunde und Verwandten war Gudrun noch in Verbindung und konnte sie jetzt alle nach Paris einladen. Jetzt war die Familie Boisseau in eiliger Vorbereitung, genügend Betten für die 25 alten Freunde und Verwandten zu organiesieren. Sie blieben einen Woche bei meinen Großeltern Gudrun und Michel und machten den größten Trabikorso aller Zeiten auf der Avenue des Champs Èlysées.

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