Vorher-Nachher-Bilder : Die verschwundene DDR

27 Jahre nach der Wiedervereinigung steht die Baukunst der DDR in Berlin unter Denkmalschutz. Doch bis heute gingen der Stadt viele Werke verloren. Acht Beispiele.

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Die verlorenen Kinderplanschen

Ein Schuttberg liegt auf der Grünfläche zwischen den Hochhäusern der Weydemeyerstraße. Die einstige Kinderplansche nördlich des Strausberger Platzes wurde vor einigen Tagen abgerissen. Bis zuletzt hatten Anwohner für eine Sanierung der seit langem abgesperrten Anlage gekämpft, doch ihr Protest war aussichtslos. "Planschbecken mit Wasseranstau" entsprechen nicht mehr den heutigen Hygienevorgaben, schreibt das Bezirksamt. Die wadentiefen Pfützen zwischen den Hochhäusern der Ost-Neubauviertel hatten den Kindern im Sommer viel Freude bereitet. Als Ersatz soll an der Weydemeyerstraße ein Platz mit kleinen Wasserspielen und Handpumpen gebaut werden. Ein schwacher Trost für echte Planschen-Fans.

Ahornblatt - Abriss trotz Denkmalschutz

Die Großgaststätte auf der Fischerinsel war ein echter Hingucker im neuen Viertel, das die DDR Anfang der 70er an die Stelle der Altstadtreste gesetzt hatte. Ein kühner, zackiger Entwurf mit einem Dach in der Form eines Ahornblatts, umgeben von Punkthochhäusern in Plattenbauweise. Architekt Ulrich Müther war mit seinen Betonschalenbauten auch im Westen gefragt. Siebe Jahre vor seinem Tod wurde das spektakuläre Bauwerk zur Jahrtausendwende abgerissen, trotz Denkmalschutz und Widerstand der Architektenkammer. Es hatte sich kein Käufer mit einer überzeugenden Nutzungsidee gefunden, also stimmte schließlich auch die Denkmalbehörde dem Abriss zu. Heute umspannt die Ecke an der Gertraudenstraße zur Fischerinsel ein wenig inspirierender Hotel-Klotz mit Wohnungen und Geschäften.

Palasthotel - Devisen-Absteige am Spreeufer

Für Ost-Berliner blieb der Bau mit seiner Wabenfassade aus bräunlichem Thermoglas geheimnisvoll. Am Spreeufer neben der Liebknechtbrücke ließ die DDR das Hotel von einem schwedischem Konsortium erbauen, direkt gegenüber des Doms auf der anderen Flussseite. Die 1000 Betten waren reserviert für Gäste aus dem Westen, Bürgern mit Ost-Geld standen nur die Restaurants und Cafés im Erdgeschoss offen. Nach dem Abriss im Jahr 2001 entstand dort wieder ein Hotel - das Domaquarée mit Riesenaquarium, einem DDR-Museum und Büroflächen.

Berolina - einziges Hotel der Karl-Marx-Allee

Ist hier etwas verschwunden? Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass das Hochhaus hinter dem Kino International heute etwas anders aussieht als auf dem Foto von 1964. In jenem Jahr wurde der leicht modifizierte Plattenbau als HO-Hotel an der Berolinastraße eröffnet, mit 375 Räumen, Restaurant und Bar. Ein Jahr später gehörte es zur Interhotel-Kette und war damit reserviert für Gäste aus dem Ausland, mit der Ost-Währung konnte man hier nichts anfangen. Nach dem Abriss im Jahr 1996 wahrten die Architekten beim Neubau das Straßenbild des Ensembles aus Kino International, Mokka-Milch-und-Eis-Bar und Café Moskau am Beginn der Karl-Marx-Allee. Mieter des Neubaus wurde das Bezirksamt Mitte.

Was in Berlin von der DDR übrig blieb
Kleiner Exkurs ins Berliner Umland: Im Luftfahrtmuseum Finowfurt bei Eberswalde steht noch eine Lenin-Statue. Sie stand einst vor dem inzwischen abgerissenen Offizierscasino der russischen Streitkräfte in Eberswalde. Es war am 8. Mai 1975 feierlich enthüllt worden.Weitere Bilder anzeigen
1 von 157Foto: Jürgen Ritter/Imago
10.11.2017 11:38Kleiner Exkurs ins Berliner Umland: Im Luftfahrtmuseum Finowfurt bei Eberswalde steht noch eine Lenin-Statue. Sie stand einst vor...

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Zeitsprung im Tagesspiegel

Altstadt Spandau, Berliner Mauer in Kreuzberg, Prenzlauer Berg vor der Sanierung. Vorher-Nachher-Bilder: tagesspiegel.de/zeitsprung

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