Boxen :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner über still behobene Pannen und offen eingestandene Fehler

Ein Schelm, der Arges dabei denkt: Brandenburgs Politiker sind in den Neujahrsferien, die Verwaltungen sind verwaist. Nur im Amt für Statistik und Wahlen, zuletzt durch Pannen bei der märkischen Kommunalwahl in den Schlagzeilen, scheint man die ruhigen Tage zu nutzen – zur Schadensbegrenzung. In aller Stille wurde kurz vor dem Jahreswechsel das amtliche Endergebnis der Kommunalwahl vom 28. September ins Internet gestellt. Knapp drei Monate nach dem Urnengang sind damit jetzt – neben den bereits bekannten Ergebnissen der Kreistage – auch die der Wahlen zu den Gemeindevertretungen öffentlich. Dabei gibt es eine bemerkenswerte Verschiebung. Die SPD liegt zwar auch in den Dorfparlamenten mit 1022 Abgeordneten auf Platz Eins, doch danach folgt – anders als in den Kreistagen – die CDU (988 Mandate) statt der Linken (957 Mandate). Die FDP kommt landesweit auf 280 Mandate, die Grünen liegen mit 87 abgeschlagen. Man wüsste natürlich gern, was das alles auch in den landesweiten Prozent-Wahlergebnissen bedeutet. Die sucht man aber vergeblich. Der gerade ernannte neue Landeswahlleiter, der Potsdamer Ex-Polizeipräsident Bruno Küpper, hat noch viel zu tun – vor dem Wahlmarathon 2009.

Es fällt nicht leicht, Fehler einzugestehen. Vielleicht agieren deshalb etwa die SPD-Mitglieder im Bodenreform-Untersuchungsausschuss zur rechtswidrigen Inbesitznahme Tausender fremder Grundstücke durch das Land oft so, als ob es gar keine Affäre gäbe. Dass es auch anders geht, zeigte jetzt die Lufthansa in einem deutschlandweit verbreiteten Rundbrief, der auch im Potsdamer Landtag einging: Der Konzern entschuldigte sich in aller Form für einen Fehler, der sich im letzten Lufthansa-Politikbrief eingeschlichen hatte. Was passiert war? „In einer Grafik auf Seite 1 wurde die Strecke von den USA nach Indien irrtümlich mit einer falschen Kilometerangabe … dargestellt“, so der Lufthansa-Brief, der immerhin von den Chefs für „Konzernkommunikation“ und „Konzernpolitik“ unterzeichnet wurde. Die fehlerhafte Angabe war zwar im Internet schnell korrigiert worden, nicht aber in allen Papierexemplaren. „Hierfür entschuldigen wir uns bei allen Lesern.“ Bravo, davon kann auch Brandenburgs Politik nur lernen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben