Boxen : 2,1 Millionen Gäste: Erneutes Rekordjahr für Tourismusbranche

Claus-Dieter Steyer

Wittenberge. Brandenburgs Tourismuswirtschaft meldet bis August erneut eine Rekordbesucherzahl: In den ersten acht Monaten kamen 2,1 Millionen Gäste ins Land, 6,9 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) auf dem 9. Tourismustag in Wittenberge (Prignitz).

Seit Gründung des Landestourismusverbandes vor zehn Jahren haben sich die Übernachtungszahlen demnach beträchtlich gesteigert. 1991 wurden lediglich 2,5 Millionen registriert, 2000 schon 8,4 Millionen. Dazu zählten die Statistiker im vergangenen Jahr noch 100 Millionen Tagesgäste, die meisten davon aus Berlin. Spitzenreiter unter den Ausflugszielen waren die Buga-Stadt Potsdam, die Uckermark, das Havelland, der Fläming und die Prignitz. Die Kapazitäten in den Hotels, Pensionen und Ferienhäusern waren im August zu 46,1 im Landesdurchschnitt ausgelastet, in Potsdam sogar zu 67,4 Prozent.

Dennoch könnten die Geschäfte besser laufen. Wie Minister Fürniß sagte, braucht der Tourismus zwei Dinge, um noch optimaler zu werden: Mehr Professionalität - und mehr Liebe der Gastgeber gegenüber den Besuchern. Dagegen müssten Infrastruktur, Hotels und Pensionen keinen Vergleich mit anderen Bundesländern fürchten. Auch die ausgebauten Radwege und Angebote für Bootstouren seien konkurrenzfähig. Doch: "Viele Menschen wissen gar nicht, wie schön es in Brandenburg ist", benannte Fürniß ein Marketing-Problem. "Wir haben das größte zusammenhängende Binnenwassergebiet Europas, vermarkten es aber noch ungenügend." Deshalb solle ein Schwergewicht der Werbung nun dem motorisierten Wasser- sowie dem Kanutourismus gelten.

In einzelnen Reisegebieten, so wurde auf dem Tourismustag kritisiert, reicht die Werbung um den Kunden nicht über den Tellerrand hinaus. "Die Brandenburger Regionen können gegen die internationale Konkurrenz aber nur gemeinsam bestehen", mahnte der Minister.

In puncto Freundlichkeit half der Schweizer Tourismusexperte Beat Krippendorf den Brandenburgern auf die Sprünge. Nicht der Kurdirektor sei die wichtigste Person für die Stimmung am Ort, sondern die Schuhverkäuferin, der Taxifahrer oder der Wirt. "In St. Moritz werden jedes Jahr rund 700 Angestellte mit viel Action auf die neue Saison eingestimmt. Das bedeutet Anerkennung für ihren Job, die sich in Freundlichkeit gegenüber den Kunden umschlägt", meinte er. Außerdem werde oft vergessen, dass der Tourismus vor allem Talent erfordere.

Minister Fürniß entschuldigte die meinst noch etwas verschlossen wirkende Mentalität der Märker. "300 Jahre Preußen habe eben ihre Spuren hinterlassen. Wo die Menschen hingestellt werden, verrichten sie ihre Pflicht." Das Lachen komme dabei oft zu kurz. "Aber zum Glück ändern sich die Menschen", zeigt sich Fürniß optimistisch.

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