Boxen : 200 Baustellen bremsen Verkehrsfluß auf den Autobahnen

CLAUS-DIETER STEYER

Erst 2010 entspricht das gesamte Netz den höchsten Anforderungen / Starke Häufung von Unfällen mit Fußgängern und großen SignalanhängernVON CLAUS-DIETER STEYER STOLPE.Die Nutzer der Brandenburger Autobahnabschnitte müssen sich in diesem Jahr auf erhebliche Behinderungen durch Bauarbeiten einstellen.An 92 Stellen wird der Verkehrsfluß durch Großbaustellen unterbrochen.Hier investiert das Autobahnamt jeweils über eine Millionen Mark.Dazu kommen mindestens 100 kleinere Bauvorhaben an Brücken, Standstreifen oder schadhaften Stellen."Wir können nur an die Geduld der Kraftfahrer appellieren und um Verständnis werben", sagte der Direktor des Autobahnamtes, Hans-Reinhard Reuter, gestern vor der Presse in Stolpe bei Berlin."Spätestens im Jahre 2010 sind alle Leiden ausgestanden.Dann haben wir wirklich freie Fahrt auf allen Strecken." Starke Behinderungen wird es auf der A 115, der verlängerten Avus, geben.Sie wird zwischen Kreuz Zehlendorf und Dreieck Drewitz sechsstreifig ausgebaut.Spätestens zur Eröffnung der Bundesgartenschau 2001 in Potsdam soll der Verkehr an dieser Stelle von und nach Berlin ungehindert fließen.Auch der südöstliche Berliner Autobahnanschluß wird in den nächsten Jahren zum Nadelöhr.Bis 2002 erhält das Schönefelder Kreuz eine komplette neue Verkehrsführung.Von Juni bis November diesen Jahres wird auf dem restlichen Abschnitt der A 113 bis kurz vor dem Dreieck Berlin-Treptow eine Asphaltschicht aufgetragen.Voll im Gange sind bereits die Arbeiten am Dreieck Spreeau am östlichen Berliner Ring.Erst 2001 ziehen die letzten Baufahrzeuge hier wieder ab. Lichtblicke gibt es auf der vielbefahrenen A 2 nach Magdeburg/Hannover.Drei Viertel der Strecke werden auf Brandenburger Gebiet noch in diesem Jahr grundhaft erneuert sein.Die A 9 nach Leipzig steht Mitte 1999 sechsstreifig zur Verfügung.Auf der A 13 nach Dresden konzentrieren sich die Arbeiten auf den südlichen Bereich an der Landesgrenze zu Sachsen. Die A 12 von Berlin nach Frankfurt (Oder) bleibt auch in den nächsten Jahren ein Sorgenkind.Sie gilt vor allem an den Wochenenden als "längster Lkw-Parkplatz Europas".Auf 50 und mehr Kilometern stauen sich regelmäßig die Lastzüge vor der Abfertigung an der deutsch-polnischen Grenze.Dieser Stau verhinderte lange Zeit jegliche Bauarbeiten.Ab März soll jetzt endlich eine zweite Staufläche für weitere 500 Lkw entstehen, um die Autobahn für die Bauarbeiten freizubekommen.Ursprünglich sollte die Fläche schon lange fertig sein, doch die Bundesministerien für Finanzen und für Verkehr stritten sich um die Kostenübernahme."Dennoch sollten die Autofahrer die Autobahn nach Frankfurt in den kommenden Monaten möglichst meiden", sagte Direktor Reuter."Elf Baustellen reihen sich hier hintereinander.Außerdem steht längst noch nicht fest, ob die 1000 Lkw-Stellplätze vor Frankfurt überhaupt ausreichen.Bei dem derzeitigen Abfertigungstempo sind weitere Probleme nicht ausgeschlossen." 1990 war die notwendige Investitionssumme für die Brandenburger Autobahnen auf rund zehn Milliarden Mark geschätzt worden.71 Prozent der Strecken stammte aus den Jahren vor 1945.Auch die zu DDR-Zeiten entstandenen Neubauten wiesen große Betonschäden auf.Zwischen 1990 bis 1997 sind drei Milliarden Mark ausgegeben worden.Entsprechend zögernd zeigen sich die Fortschritte.Vom 1532 Kilometer langen Autobahnnetz sind bisher 958 Kilometer erneuert worden.Fast jede der 1000 Brücken muß rekonstruiert werden. Auf 427 Kilometern Autobahn gibt es keine Geschwindigkeitsbeschränkungen mehr.Das ist fast ein Drittel des gesamten Netzes.Auf der A 24 nach Rostock gibt es nur noch wenige Einschränkungen.Voraussetzung für eine Aufhebung des Tempolimits ist eine mindestens sechs Kilometer lange neue Strecke mit Standstreifen."Wir stellen auf diesen Abschnitten keine Häufung von Unfällen fest", erklärte Klaus Packroff, im Autobahnamt für die Sicherheit zuständig."Die Masse der Leute wird nicht automatisch zum Raser." Anderseits wird es schon in Kürze auf dem nördlichen Berliner Ring zwischen den Dreeicken Havelland und Pankow ein Überholverbot für Lkw geben. Eine Zahl beunruhigt die Autobahnbauer besonders: 20 Personen verloren 1997 als Fußgänger außerhalb ihrer Fahrzeuge oder Radfahrer bei Unfällen ihr Leben.Das sind immerhin ein Drittel aller getöteten Personen.Das schwerste Unglück ereignete sich auf der A 12, als drei Polen beim Radwechsel an einem Lkw von einem anderen Fahrzeug erfaßt worden."Wir können nur immer wieder raten, sich nach einer Panne oder einem Unfall sofort hinter die Leitplanke oder weg von der Straße zu begeben", sagte Reuter."Viele Autofahrer fühlen sich auf einer ansonsten eintönigen Autobahn von einem Fußgänger geradezu magnetisch angezogen.Sie halten dann voll auf die Person zu.Dieses Phänomen ist nur psychologisch zu klären." Rätselhaft dagegen sind die sich häufenden Unfälle mit großen Lichtsignalanhängern, auf denen blinkende Pfeile und Lampen auf die Sperrung einer Fahrbahn hinweisen.13 dieser Anhänger sind im letzten Jahr auf den Autobahnen völlig zerstört worden."Die betreffenden Autofahrer müssen sich im Tiefschlaf befunden haben", urteilte der Direktor des Autobahnamtes."Die meisten Unglücke mit diesen Hängern passierten schließlich am hellichten Tage." Ein Markenzeichen Brandenburger Autobahnen bleibt den Autofahrern auch in diesem Jahr erhalten: Die privaten Kioske auf den Parkplätzen.Zehn dieser als preiswert geschätzten Verkaufstände haben vom Autobahnamt eine Sondergenehmigung für den Weiterbetrieb erhalten.

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