Boxen : Abschiebung: Kommentar: Dazugelernt

Sandra Dassler

Der Ruf von Guben war nach der tödlich endenden Hetzjagd rechter Jugendlicher auf den Algerier Farid Guendoul vor zwei Jahren ziemlich ramponiert. Umso erstaunlicher und erfreulicher ist, dass der Schock über das Geschehen offenbar dazu führte, dass die Einwohner der Neißestadt dazugelernt haben. Und entsprechend handeln. Im Fall der von Abschiebung bedrohten Familie Bunjaku denken die Gubener nicht daran, klein beizugeben. Sie wollen die Landespolitiker, von denen sich einige zwar für den Verbleib der Familie eingesetzt, letztlich aber unter Hinweis auf die Rechtslage entnervt abgewunken haben, zum Handeln zwingen. Sie fordern nicht das Aussetzen von Gesetzen, wohl aber etwas, was es in Berlin längst gibt: Eine Kommission für Einzelfall-Regelungen in Härtefällen. Ist das undemokratisch? Ist das zu viel verlangt?

In jedem Fall haben die Bürger der Stadt Guben ihre Finger auf einen wunden Punkt gelegt. Sie stellen nun Fragen, die über das Einzelschicksal der Bunjakus hinausgehen: Wie soll man - gerade in Ostdeutschland - gegen Rassismus und Rechtsextremismus vorgehen, wenn die offizielle Politik allen Sonntagsreden zum Hohn eine rigide Abschiebepraxis betreibt? Wie soll man glaubwürdig DDR-Geschichte aufarbeiten, wenn (schon wieder) von Menschen gemachte Gesetze als nicht zu hinterfragende "höchste Instanz" betrachtet werden?

Die Bunjakus haben noch nicht an Kirchenasyl gedacht. Ihre deutschen Freunde hingegen schon.

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