Abwanderung : "Ein Dorf ist aufgegeben, wenn der Letzte wegzieht"

Aus vielen Regionen Brandenburgs wandern die Menschen ab. Wie sieht die Zukunft dieser Orte aus? Und wie lässt sie sich gestalten? Ein Tagesspiegel-Streitgespräch mit Innenminister Jörg Schönbohm, Regionalforscher Ulf Matthiesen und Landrat Karl-Heinz Schröter.

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Bald allein auf weiter Flur? Gerade in den ländlichen Regionen des Landes wohnen immer weniger Menschen. -Foto: ddp

Wird es in Brandenburg bald verlassene Dörfer geben, Wüstungen wie nach dem Dreißigjährigen Krieg?



Schröter:

Niemand kann es aufhalten oder umdrehen: Die demografische Entwicklung spielt sich ab wie ein Naturgesetz. Es wird in den nächsten zwanzig Jahren in einigen Regionen Brandenburgs tatsächlich auch verlassene kleine Dörfer, Siedlungen und Vorwerke geben, in denen Infrastruktur nicht mehr gehalten werden kann, ob in der Prignitz, in der Uckermark oder auch in Oberhavel.

Schönbohm: Einspruch, Herr Landrat! Es ist eben kein Naturgesetz. Wir reden immer noch über Menschen, die frei über ihr Schicksal entscheiden. Niemand hat das Recht, auch der Staat nicht, ihnen zu sagen, wo sie leben dürfen oder nicht. Das stört mich an der ganzen Debatte. Schon der jüngste Vorschlag des Berlin-Institutes, Dörfer über Wegzugsprämien gezielt leer zu ziehen und damit aufzugeben, war ein völlig falscher Ansatz.

Matthiesen: Die so angestoßene Debatte um den Umgang mit Schwunddörfern ist sicherlich nötig. Schließlich werden die Disparitäten zwischen dem dicht besiedelten Umland um die Metropole Berlin und der sich entleerenden Peripherie weiter wachsen. Aber man sollte die Dynamik, die Abwanderung nicht auch noch durch Wegzugsprämien anheizen.

Schröter: Ja, aber wir brauchen die Tapferkeit, über die Entvölkerung tabulos zu reden, um richtige Konsequenzen zu ziehen. Wenn Politik die Zeichen der Zeit erkennt und energisch handelt, dann kann man vielleicht nicht jedes märkische Dorf halten – aber den Menschen in den ländlichen Regionen trotzdem eine Perspektive bieten. Man muss die Weichen rechtzeitig stellen.

Matthiesen: Da treffen wir uns wieder: Demografie schafft auch Raum für Handeln, für Interventionen, für Reaktionen. Wohin Menschen ziehen, ob sie abwandern, das hängt vor allem von der Attraktivität des Lebensumfeldes ab.

Schröter: Deshalb müssen wir uns zuerst im Klaren darüber sein, wie unser Land in 50 Jahren aussehen soll, was uns die Natur, die ländlichen Regionen wert sind, ob wir alle Dörfer halten wollen und können – oder nicht. Nötig ist dazu ein neuer Konsens in der Brandenburger Gesellschaft, der länger trägt als eine Legislaturperiode, mit allen Beteiligten, mit Kirchen, Gewerkschaften, anderen Organisationen. Was mir fehlt, ist ein langfristiges Leitbild für unser Land.

Ein "Brandenburger Weg“?

Schröter: Bloß nicht, in den Stolpe-Jahren wurde schon einmal ein Brandenburger Weg ausgerufen. Und keiner wusste, wie der aussieht.

Schönbohm: Das war die Konsenssoße.

Schröter: Ja, alle redeten über den Brandenburger Weg, nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Merkwürdigerweise redete niemand über das Ziel. Das ist mein Ansatz: Wir brauchen wegen der demografischen Brüche zuallererst eine Verständigung über das künftige Brandenburg. Da sehe ich noch große Ratlosigkeit.

Schönbohm: Es geht um eine Grundfrage, nämlich um das Selbstverständnis, um die Rolle des Landes. Zu oft wird Brandenburg allein als Naturreservoir, als Naherholungsraum und Lebensmittelfabrikant für die Metropole gesehen. Das ist die Berliner Brille.

Matthiesen: Das stimmt, auch die Studie des Berlin-Institutes hatte meiner Ansicht nach einen zu einseitigen, zu Berlin-geprägten Blick auf Brandenburg.

Schönbohm: Es ist nicht Aufgabe Brandenburgs, Berlin nur mit Biogemüse zu versorgen. Oft wird vergessen, dass dieses Land eine industrielle Basis hat, und zwar mit Standorten auch fern von Berlin wie Schwedt, Schwarzheide oder Rathenow. Brandenburg baut seine eigene Wertschöpfungskette auf. Zugleich bestehen aber wie um Washington, Paris oder London, enge Wechselbeziehungen des Umlandes zur Metropole. Was in einer Fahrzeit von ein bis zwei Stunden zu erreichen ist, kann von Berlin leben. Deshalb bauen wir die Verkehrs-Trassen aus, ob auf der Straße oder den Regionalexpresslinien.

Schröter: So weit die Theorie, die Realität ist leider eine andere! Die Regionalbahnlinien werden ausgedünnt, weil die Regierung Züge abbestellt. Die Ausbaupläne für Bundesstraßen – in meinem Landkreis etwa für eine vierspurige statt zweispurige B 96 bis Fürstenberg – werden zu den Akten gelegt. Das verkündet dann ein Staatssekretär mit der Gelassenheit eines Fernsehsprechers.

Schönbohm: Schalten Sie einmal die Verkehrsmeldungen im Deutschlandfunk an! Dann hören sie fast nur Stauwarnungen für Westdeutschland. Dort bricht das Verkehrssystem fast zusammen. Wenn man etwa die Verkehrsbelastung um Köln mit der um Berlin vergleicht, geht es uns gut.

Schröter: Trotzdem brauchen wir gerade wegen der demografischen Umbrüche schnellere Verbindungen aus dem Land in die Metropole, auf der Straße, auf der Schiene.

Schönbohm: Aber die gibt es. Da tut sich eine Menge, auch in Ihrem Landkreis. Ich bin ein vehementer Unterstützer des Regionalverkehrs, aber das muss auch bezahlt werden. Regionalbahnen werden abbestellt, wenn sie zu wenig Fahrgäste haben, wenn sie sich nicht rechnen. Es führt kein Weg daran vorbei, knappere Mittel zu konzentrieren.

Matthiesen: Die Landesregierung hat zu Recht die alte Gießkannen-Politik abgebrochen. Trotzdem reicht der neue Ansatz „Stärken zu stärken“ nicht aus. Man muss zusätzliche Strategien für die ländlichen Räume entwickeln. Man muss den Mut haben, mehr auf das Experiment bei der Förderung und der politischen Planung zu setzen. Schema F reicht nicht. Es gibt eben keinen Instrumentenkoffer, in den man nur zu greifen braucht. Man muss ausprobieren, Versuch und Irrtum.

Schönbohm: Genau das ist eine Chance für die ländlichen Regionen Brandenburgs: Es gibt Menschen, die früher vielleicht in die USA ausgewandert wären, die das suchen. Ermöglichen – das ist das Stichwort. Wir müssen Freiräume eröffnen.

Schröter: Aber da passiert zu wenig. Die Regierung will Bürokratie abbauen und zeigt immer wieder, dass sie dazu nicht in der Lage ist. Wir brauchen mehr Autonomie vor Ort, mehr Vertrauen in die Leute. Nur ein Beispiel: Der Bürgerbus von Gransee ...

... wo Freiwillige in ihrer Freizeit Busse über Dörfer fahren, die sonst abgeschnitten wären ....

Schröter: ... wird oft gefeiert. Aber es glaubt kein Mensch, wie schwer es ist, freiwilliges Engagement auch entgegennehmen zu können. Da werden viele Steine in den Weg gelegt.

Schönbohm: Nicht von der Landesregierung!

Schröter: Doch, die Widerstände in den Apparaten, selbst bei Gewerkschaften sind groß. Dabei ist der Bürgerbus für ländliche Regionen mit sinkenden Einwohnerzahlen eine echte Alternative.

Matthiesen: Bürgerbusse, weniger Regelungswut, gute Straßen- und Zugverbindungen – das alles ist sicher wichtig. Aber das wird den Brain Drain nicht aufhalten, den Wegzug von Klügeren, Beweglicheren, von jungen Frauen. Ich glaube, dass ein anderes Politikfeld viel entscheidender ist, die Bildung.

Schröter: Richtig, endlich sind wir bei den Schulen! Ich bin ja als Bildungsrevoluzzer verschrien. Von den Schulen hängt maßgeblich ab, ob Familien sich ansiedeln oder gehen.

Schönbohm: Es wird in der Landespolitik ja gerade wieder heiß diskutiert, wann Schulen geschlossen werden müssen. Ich glaube, da sind wir zu rigide, zu funktional. Wenn sich nicht am Stichtag so und so viele Schüler anmelden, fällt sofort der Hammer. Das müssen wir anders lösen. Wir sollten in Brandenburg kleinere Schulen zulassen. Das sage ich nicht als Minister, sondern als Brandenburger Jörg Schönbohm. Wir werden uns mit dieser Frage in der nächsten Legislaturperiode neu auseinandersetzen müssen.

Schröter: Mindestgröße hin oder her, das Kernübel liegt für mich woanders: Brandenburgs Bildungswesen ist falsch aufgestellt. Es wird zu viel von Potsdam aus entschieden, was man von Potsdam aus gar nicht entscheiden kann. Die Kommunen, die jetzt für Gebäude, Hausmeister, Ausstattung zu sorgen haben, müssen endlich auch für das Personal, für die Lehrer zuständig sein. Solange man das nicht zusammenführt, bleibt das System krank.

Schönbohm: Überzeugen Sie Ihre Kameraden von der SPD davon!

Schröter: Das versuche ich seit Jahren. Neuerdings redet das Bildungsministerium immerhin schon von Autonomie der Schulen, gemeint wird aber leider nur ein Budget. Nötig wäre aber die Freiheit für die Schulleiter, Lehrer neu einzustellen oder nicht. Diese Freiheit braucht Schule.

Schönbohm: Herr Schröter, Sie sind in dieser Frage zu radikal. Der Bürgermeister als Schulaufsicht, und die Frau des Bürgermeisters erarbeitet die Lehrpläne? Das Problem ist komplexer. Es geht auch um die Grundversorgung, um gleiche Bildungsstandards im ganzen Land.
Schröter: Qualität kann man trotzdem sichern. Man gibt die Bildungsziele, die Inhalte vor. Man evaluiert die Schulen. Es gibt ein selbstregulierendes System – die Schulwahl.

Schönbohm: Ich bin skeptisch, aber bekanntlich ein überzeugter Anhänger dezentraler Verantwortung: Ob Schulen mit eigener Personalhoheit besser sind, würde man wissen, wenn man es einmal erprobt. Das sollte man tun.

Schröter: Da muss man nichts mehr probieren, Herr Minister! Es wird oft, leider auch in meiner Partei, ignoriert. Das alles ist hinreichend erprobt – nämlich in den Ländern wie Finnland, die bei der PISA-Studie meilenweit vorn liegen. Es funktioniert auch in Brandenburg schon, nämlich an den Privatschulen. Deshalb sind sie so erfolgreich…

Matthiesen: … und sie werden in Brandenburg immer beliebter, auch auf dem Lande. Trotzdem hat man den Eindruck, dass das Land die Privatschulen nicht gerade fördert.

Schröter: Der Ansturm auf private Schulen wird weitergehen, weil staatliche Schulen sich nicht so reformieren, wie es notwendig wäre. In Brandenburg wie in anderen Bundesländern halten sich Apparate am jetzigen System fest. Im Grunde brauchen wir keine staatlichen Schulämter mehr. Ich bin dafür, dass wir mehr Freiräume wagen. Das kostet uns nicht einen Cent mehr.

Selbstständige Schulen, bessere Verbindungen nach Berlin, weniger Paragrafen, das alles mag sinnvoll sein. Trotzdem wird es Dörfer geben, in denen in zwanzig Jahren nur noch Greise leben werden. Wie weiter?

Schönbohm: Wir reden über Heimat. Ein Dorf ist für mich dann aufgegeben, wenn der letzte Bewohner wegzieht.

Schröter: Zunächst einmal sind klare Ansagen der Politik nötig, und zwar heute: Wer sich in solchen Dörfern neu ansiedelt, muss wissen, dass die Standards der Infrastruktur geringer bleiben. Die Wege zur Kita und Grundschule, zum Einkaufen sind weit. Es dauert länger, bis Rettungsdienst und Polizei vor Ort sind. Zur Wahrheit gehört auch: Die Mieten und Immobilienpreise sind niedriger als im Berliner Umland. Aber man muss dafür bereit sein, höhere Kosten zu tragen, für Energie, für Ver- und Entsorgung.

Schönbohm: Der Staat kann nicht mehr alles finanzieren. Die Politik darf sich nicht scheuen, es auszusprechen: Wer in stark schrumpfende Dörfer zieht, tut dies auf eigenes Risiko.

Schröter: Wir brauchen den gesellschaftlichen Konsens, was in diesen Orten möglich ist und was nicht.

Schönbohm: Man sollte es auch nicht dramatisieren: Ähnliche Trends hat es auch anderswo in Europa schon gegeben, in der Region Lüttich etwa. Da fährt man durch Dörfer, in denen abends kaum noch Lichter brennen. Und trotzdem gilt: Für manche Menschen kann es den besonderen Reiz ausmachen, genau in diese Dörfer zu ziehen.

Matthiesen: Richtig, diese Orte, diese Regionen sind auf andere Weise attraktiv. Für bestimmte Menschen, für Raumpioniere, die sich verwirklichen wollen, kann das hochinteressant sein, um etwas Neues auszuprobieren. Die Raumpioniere haben deshalb eine hohe seismografische Funktion für die Politik, für die Wissenschaft. Sie testen, was man in den schwierigen Räumen machen kann.

Schönbohm: Es gibt ein kleines Dorf in Ostprignitz-Ruppin. Früher wohnten da 400 Menschen, jetzt sind es noch 320 Menschen. Aber dort findet man eines der größten Buchantiquariate außerhalb von Berlin, 150.000 Bände. Es betreibt ein Enthusiast, der via Internet mit der Welt verbunden ist, seine Geschäfte macht. Es sind freie Menschen, die bewusst nicht in der Großstadt leben, die die Natur, Idylle, die Stille lieben und dafür Nachteile in Kauf nehmen.

Also Zuzugsprämien statt Wegzugsprämien?

Matthiesen: Generelle Zuzugsprämien wären falsch. Es gibt bei solchen Förderungen ja schnell Gewöhnungseffekte.

Schönbohm: Was schlagen Sie vor?

Matthiesen: Mein Plädoyer wäre: Gerade in dieser schwierigen Situation, in der weder die Politik noch die Wissenschaft genau weiß, wie man mit diesen sich leerenden Räumen umgeht, sollte man eine Experimentierklausel in Förderprogramme aufnehmen. Traditionelle Förderpolitik stößt an Grenzen: Man sollte Raumpioniere flexibel und unbürokratisch fördern, aber auch die Netzwerke, die sie bilden. Es geht um Leute, die kreativ etwas Neues auf die Beine stellen, die, bevor die Förderung greift, selbst schon etwas angefangen haben, meist auf eigene Rechnung. Kriterium für die Vergabe von Geld müssen aber Standards von Innovation und Nachhaltigkeit sein. Brandenburgische Raumpioniere – als Qualitätssiegel.

Schönbohm: Es gibt viele wunderbare Geschichten von Menschen, die die Ärmel hochgekrempelt haben, die wieder nach Hause gekommen sind. Sie haben in Brandenburg früheres Eigentum wieder gekauft und geholfen, Dörfer wieder zu beleben. Ich denke an alteingesessene Adelsfamilien mit klingenden Namen, von Marwitz, von Hardenberg. Anfangs waren in der Bevölkerung noch Vorurteile verbreitet, nach dem Motto da kommt der alte Gutsherr – das ist vorbei. In den Dörfern hat man gemerkt, dass diese Rückkehrer selbst anpacken, investieren, persönliche Opfer bringen. Auch das sind Raumpioniere.

Schröter: Aber machen wir uns nichts vor: Sie können nur Nischen füllen, lösen aber nicht das Grundproblem. Umso wichtiger ist für die ländlichen Regionen generell: Man muss verlässliche Rahmenbedingungen für diejenigen schaffen, die heute dort leben, aber auch für jene, die sich mit dem Gedanken tragen, dort hinzuziehen. Es kann nicht sein, dass plötzlich die Abschreibungsmöglichkeiten für Immobilien oder die Steuervergünstigungen für Pendler verschlechtert werden, oft auch noch durch die Hintertür. Das Gleiche gilt für die Infrastruktur, für die Schulen.

Schönbohm: Sie haben Recht, die Menschen müssen jetzt wissen, woran sie sind. Das ist eine Aufgabe von Politik überhaupt, in Bund und Land. Diese Verlässlichkeit, von der Pendlerpauschale bis zu den Schulen, ist nötig. Wer sich entscheidet, aufs Land zu gehen, aber auch, wer es verlassen will, der rechnet mit spitzem Bleistift, was günstiger, was teurer ist, welche Entfernungen zurück- zulegen sind …

Schröter: … da sind wir wieder bei den Regionalzügen: Wer in Berlin arbeitet und ins Umland zieht, muss sicher sein können, dass der Zug in zehn Jahren immer noch fährt. Diese Kraft müssen wir haben. Mit jedem Tag, an dem Entscheidungen geparkt werden, wird der Handlungsspielraum kleiner. Spätere Entscheidungen werden umso dramatischer, weil Weichen dann umso abrupter umgestellt werden müssen.

Brandenburg ist, das wusste schon Fontane, ein weites Feld. Nun zieht sich der Mensch etwas aus der Mark zurück, es kommen Elche, Luchse, Wölfe. Muss man davor Angst haben?

Schröter: Etwas beängstigend ist das schon. So etwas gab es schon einmal, nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Wolf war damals in Deutschland beinahe ausgestorben, hatte aber durch die vielen Toten seine Renaissance. Aber ich vertraue da auf unsere hocheffiziente Landwirtschaft, die mit nachwachsenden Rohstoffen noch ungeahnte Perspektiven hat. Wo sie funktioniert, bleibt Kulturlandschaft, haben Wölfe keine Chance.

Matthiesen: Es ist eine simplifizierende Übertreibung, dass hinter dem Speckgürtel die Wölfe auf die Elche treffen. Aber sie hat einen wahren Kern: Der klare Kontrast von Großstadt und Hinterland ist eine extrem hohe Qualität dieser Region. Das ist anders als im Ruhrgebiet, als um andere Metropolen der Welt herum, wo es ringsum nur noch diese zersiedelten Zwischenstädte und Zwischenlandschaften gibt. Man muss die Metropolenregion um die deutsche Hauptstadt als Gesamtsystem verstehen. Nur wenn man die ganze Region im Blick hat, wird plausibel, wie attraktiv die Uckermark oder die Prignitz eigentlich sind. Nur dann lassen sich Strategien für die peripheren Regionen Brandenburgs entwickeln. Ohne Berlin in der Mitte hätte Brandenburg fünfmal so schlechte Karten.

Schönbohm: Ich habe keine Angst vorm bösen Wolf. Man kann es auch so betrachten: Wer die Abwechslung, wer das Hallenbad, die Sporthalle nebenan und die Oper nah liebt, kann gut um Berlin leben. Wer abends das Käuzchen hören will, wer sich freut, wenn ihm regelmäßig Hase, Igel und Fuchs gute Nacht sagen, sucht sein Glück etwas weiter weg. Jeder kann nach seiner Façon selig werden. Donnerwetter, was ist das für ein vielfältiges Brandenburg!

Das Gespräch moderierte Thorsten Metzner

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