Boxen : Ärger um den Schwedter Binnenhafen

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Schwedt. Das Industriezentrum Schwedt sieht sich einer „massiven Verleumdungskampagne von Medien und Umweltverbänden“ ausgesetzt. So reagierte Bürgermeister Peter Schauer (SPD) gestern auf die wachsende überregionale Kritik am ehrgeizigsten Projekt der Stadt: den Aufstieg Schwedts zum Ostseehafen. Nachdem der Hafen ausgebaut wurde (siehe Kasten), muss nun noch die Wasserstraße zur Oder, die dann zur Ostsee führt, erheblich erweitert werden.

Damit 80 Meter lange und 12 Meter breite so genannte Fluss-See-Schiffe vom Meer ins Binnenland fahren können, muss die rund zehn Kilometer lange Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße von jetzt 25 bis 30 Metern auf rund 40 Meter verbreitet sowie von 2,50 auf 4,50 Meter Tiefe ausgebaggert werden. Und hier setzt der Protest der Umweltverbände an. Denn die Wasserstraße führt durch Brandenburgs einzigen Nationalpark. „Nicht die Flüsse müssen den Schiffen angepasst werden, sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus“, sagte Winfried Lücking vom Bundesarbeitskreis Wasser des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) . Die vorgesehenen Eingriffe in die wertvolle Natur des Unteren Odertals seien viel zu stark. Daher lehnt auch die Nationalparkverwaltung die Ausbaupläne ab.

Und noch einen Punkt führen die Kritiker des Mammutprojekts an: den Hochseehafen im polnischen Stettin, der direkt auf dem Weg liegt. Doch Professor Horst Linde, Chef des Vereins zur Förderung des Oderstromgebietes, sieht Stettin nicht als Konkurrenz. „Die Häfen werden sich ergänzen und neue Warenströme anlocken“, sagte er. Experten erscheint dieses Argument allerdings fraglich. Denn für den Weg nach Schwedt müssen die angestrebten Fluss-See-Schiffe einen Umweg auf einem kleineren Fluss um Stettin nehmen. Zwei niedrige Brücken im Zentrum der polnischen Hafenstadt zwingen sie dazu. Die Industrie- und Handelsunternehmen der Stadt und die Industrie- und Handelskammern von Berlin und Brandenburg verlangten auf dem Kolloquium den raschen Ausbau der Wasserstraßen. „Eine Blockade wäre verheerend“, sagte Hans-Otto Gerlach, Vorstandsvorsitzender des Chemiebetriebes PCK. „Denn neue Ansiedlungs-Interessenten fragen stets zuerst nach der Infrastruktur.“Claus-Dieter Steyer

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