Boxen : Afrika in der Uckermark: Wo die Glatzen trommeln

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Seit vier Jahren gibt es auch in Afrika Trinkwasser, eine befestigte Straße, ein Ortsschild und eine Holztafel. Auf der werden Touristen über die Geschichte von Afrika aufgeklärt: Am Rand von Stegelitz bei Angermünde nämlich hausten nach dem Krieg Flüchtlinge aus Pommern in windschiefen Erdhütten und hinter vorgehaltener Hand wurde ihnen nachgesagt: "Die wohnen ja wie Afrikaner." Und so kam der kleine Ort 80 Kilometer nördlich von Berlin zu dem assoziationsreichen Namen.

Heute lebt hier ein Dutzend Berliner, Stadtflüchtlinge, die zehn Gästebetten anbieten - für Ferien in Afrika. Jäger aus allen Bundesländern und aus Holland reisen an und eine in Lybien lebende westfälische Familie urlaubt jedes Jahr in Afrika. Und an diesem Wochenende sind auch erstmals echte Afrikaner da. Für das erste Afrika-Fest in Afrika - veranstaltet vom Tourismusverband der Region - wurden afrikanische Asylbewerber aus benachbarten Unterbringungen eingeladen. Mit 1200 Mark unterstützte die Landesinitiative "Tolerantes Brandenburg" das Fest, so dass den Künstlern aus den Asylbewerberheimen von Eberswalde und Prenzlau, Gagen gezahlt werden konnten. Etwa Abdul Corr aus Gambia, der auf der grünen Wiese im Schatten von Pfirsich- und Pflaumenbäumen auf den Djemba-Trommeln spielt - und das Publikum begeistert. Djembas sind sehr modern, in vielen Kursen wird landauf landab Unterricht angeboten. Auch Gemeinde-Pfarrer Ahme im uckermärkischen Sternhagen bietet der Landjugend Trommel-Workshops und in Strausberg "missioniert" der Ghanaer Gordon Odametey mit seinen "Healing Drummings" im Kulturhaus "Kuh-Stall". "Erst haben mich die Skinheads ausgelacht, inzwischen trommeln schon ein paar Glatzen in meinem Schnupperkurs", so der Musiker, der fest von der heilenden Wirkung seiner magischen Rhythmen überzeugt ist: "Trommeln stimmt friedlich".

Afrika-Fest-Organisator Wolfgang Fritz geht nicht nur musikalisch auf den schwarzen Kontinent zu - sondern auch architektonisch: In einer Senke im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin baut er ein Ökotouristendorf mit einem Dutzend Lehmlandhäusern. Auch dort soll getrommelt werden. Fritz besitzt ein Hotel in Gambia, viel Afrika-Erfahrungen sowie exotische Ingwer-Erdnuss-Rezepte. "Wir brauchen hier dringend ein wärmeres Lebensgefühl", appelliert Fritz, "die Störche machen es richtig, sie fliegen jetzt wieder in den St. Louis-Vogelpark in den Norden Senegals."

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