• Am Lehnitzsee tobt der Streit um die Villa von Bauinvestor Jagdfeld Früher konnten die Bewohner von Neu Fahrland über den Uferweg

Boxen : Am Lehnitzsee tobt der Streit um die Villa von Bauinvestor Jagdfeld Früher konnten die Bewohner von Neu Fahrland über den Uferweg

des einstigen Siemens-Grundstücks spazieren. Jetzt steht dort ein Zaun

Andreas Conrad

Neu Fahrland. Ein Seegrundstück gilt als Traumlage für jeden Hausbesitzer, nenne er eine bescheidene Hütte oder einen prächtigen Palast sein Eigen. Gemeinsam ist ihnen auch das Bestreben, das Ufer allein zu nutzen – nur muss der Palastbesitzer damit rechnen, dass dieser Wunsch dann zum kommunalen Politikum wird. Dies musste auch Anno August Jagdfeld erfahren, als Bauinvestor mit dem Berliner „Adlon“ und dem Seebad Heiligendamm befasst und seit Ende 2000 neuer Eigentümer der alten Siemens- Villa Heinenhof am Lehnitzsee. Dort will er einmal wohnen, hat dazu schon mal sein Grundstück mit einem Zaun abgegrenzt – und unter den Neu Fahrländern viel Verdruss ausgelöst.

Drei Klagen sind gegen den Zaun bereits anhängig, und heute werden sich voraussichtlich auch die Potsdamer Stadtverordneten auf Betreiben der Grünen mit dem Thema befassen. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), so ihr Antrag, möge „prüfen, wie die öffentliche Zugänglichkeit des Uferweges in Neu Fahrland gesichert werden kann“. Dafür hatte sich im Vorfeld der letzten Kommunalwahl auch die CDU stark gemacht.

Der Heinenhof, eher Schloss als Fabrikantenvilla, war 1909/11 im Auftrag von Carl Friedrich von Siemens durch den Architekten Otto March errichtet worden. Er ist von einem ursprünglich 120 000 Quadratmeter großen Park umgeben, der als Landzunge, Stinthorn genannt, in den Lehnitzsee hineinragt. Das Gebäude mit dem Park wurde nach dem Krieg enteignet, in der DDR lange als Klinik genutzt und nach der Wende rückerstattet. In den 90er Jahren befand sind zunächst die private Heinrich-Heine-Rehabilitationsklinik in dem umfangreichen Baukomplex, die später von Siemens den kleineren nördlichen Teil des Areals kaufte und einen Neubau errichtete. Die Siemens-Villa wurde eine Art Gemeindezentrum, mit Arztpraxis, Friseur, Kino und ähnlichem. Auch die Internationale Schule und die Landesakademie Brandenburg kamen vorübergehend dort unter. Der Park blieb zugänglich.

Das änderte sich im Frühjahr 2003. Ein Zaun schließt seither das Grundstück mit dem Heinenhof ein, der Uferweg ist unterbrochen. Unter den Bewerbern um das von Siemens angebotene Areal hatte Jagdfeld, der gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, den Zuschlag bekommen – nach Informationen der Bürgerinitiative, die sich gegen die Umzäunung gebildet hat, für einen Preis von 3,55 Millionen Euro.

Seit 2001 sind zwei Klagen von Anwohnern beim Verwaltungsgericht Potsdam anhängig, im November 2003 folgte eine Klage der Klinik. Die Bürgerinitiative ärgert sich, dass die Gemeindevertreter – erst seit Herbst 2003 gehört Neu Fahrland zu Potsdam – alle Möglichkeiten verstreichen ließen, den Uferweg als öffentlichen zu erhalten. So hätte man leicht den 800 Meter langen Pfad in die Liste der öffentlichen Wege aufnehmen können, sagt Initiativen-Sprecher Wolfgang Seifert. Man vermutet Druck, den Jagdfeld ausgeübt habe, verweist darauf, dass der Landkreis Potsdam-Mittelmark sich anfangs gegen den Zaun ausgesprochen, ihm aber dann doch zugestimmt habe.

In der Potsdamer Stadtverwaltung hat man sich mit dem Streitfall noch nicht beschäftigt. Wie Peter Lohrenz, Fachbereichsleiter für Grün- und Verkehrsflächen, sagte, gebe es angesichts der Haushaltslage wohl auch andere Prioritäten.

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