Boxen : Amerikaner kehren dem Lausitzring den Rücken

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Von Claus-Dieter Steyer

Klettwitz. Die schnellsten Autos der Welt fahren am Lausitzring vorbei. Gestern wurde das für Mitte September geplante Gastspiel der amerikanischen Champ-Car-Serie, deren Rennwagen im Schnitt Tempo 380 erreichen, abgesagt. Das finanzielle Risiko sei zu hoch gewesen, teilte der Insolvenzverwalter der Rennstrecke, Udo Feser, mit. Trotz langer Verhandlungen mit dem Land Brandenburg und den Veranstaltern aus den USA hätten am Ende rund 1,5 Millionen Euro zur Absicherung der als Jahreshöhepunkt gedachten Veranstaltung gefehlt. Ein weiterer Schlag für die Rennstrecke, deren Betreiber vor gut einem Monat Insolvenz anmeldeten.

In der Region wird von einem enormen Imageschaden gesprochen. „Die Menschen sind enttäuscht und fassungslos“, sagte der in der Lausitz heimische CDU-Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben. „Nun werden sicher die Verkaufsverhandlungen noch schwieriger.“ Als die nicht zum Erfolg führten, hatte die Besitzgesellschaft – 70 Prozent gehören der angeschlagenen Berliner Bankgesellschaft, 20 Prozent hält der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, 10 Prozent die Prüforganisation Dekra – am 19. Juni Zahlungsunfähigkeit angemeldet. „Seitdem ging es mit der Vermarktung des Champ-Car-Rennens bergab“, erklärte Pressesprecher Marc-Thorsten Lenze. „So eine riesige Veranstaltung finanziert sich hauptsächlich durch Sponsoren und Kartenverkäufe.“ Aber keine Firma will mit einem insolventen Unternehmen in Verbindung gebracht werden. „Deshalb standen wir mit leeren Händen da“, sagte Lenze. Im Kartenvorverkauf für das „German 500“ getaufte Rennen seien nur „einige Tausend Stück“ abgesetzt worden. Im Vorjahr verfolgten immerhin 148 000 Zuschauer an drei Renn- und Trainingstagen die Champ-Car-Serie. Deren vorwiegend amerikanische Eigentümer wollen immer noch mit der Formel 1 konkurrieren. Doch nach der Absage in der Lausitz gastieren sie dieses Jahr nur einmal in Europa – in Rockingham bei London.

Wer die im Schnitt 100 Euro teuren Karten für das Rennen auf dem Eurospeedway schon gekauft hat, erhält den Preis nicht automatisch zurück. Er wird wie jeder andere Gläubiger der Besitzgesellschaft behandelt und muss seine Ansprüche anmelden.

Ob die über 800 PS starken Champ-Cars überhaupt noch einmal auf den Lausitzring zurückkehren, ist ungewiss. Vereinbart war bis 2005 jährlich ein Rennen. Nun wird gemunkelt, dass die amerikanischen Rennstall-Besitzer selber Finanzsorgen hätten. Sonst, so die Begründung, hätten sie aus Renommiergründen das Gastspiel in der Lausitz selbst finanziert. Darauf hoffte wahrscheinlich auch bis zuletzt der Insolvenzverwalter Feser. Als diese Idee scheiterte, zog er die Notbremse. Das hatte er schon vor zwei Wochen angedeutet. Weil alle Verträge nach amerikanischem Recht abgeschlossen wurden, hätte er persönlich für alle finanziellen Forderungen haften müssen.

Die drei anderen Veranstaltungen auf dem Lausitzring, darunter die Truck-Europameisterschaft, sollen stattfinden. Hier tritt die Lausitzring-Gesellschaft nicht als Veranstalter auf, sie vermietet nur die Anlage.

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