Boxen : Amour fou

Jörg Plath

Mehr braucht es nicht: 1823 kommt der 18-jährige Student Eduard Mörike in den Semesterferien nach Hause, besucht das Ludwigsburger Wirtshaus – und verfällt der Kellnerin. Maria Meyer ist so schön, dass schon, wer sie von hinten sieht, Amors Pfeil erliegt. Auch dass ihre Herkunft im Dunkeln liegt, gefällt dem romantischen Zeitgeist: Sie ist eine Schweifende, eine Peregrina. Eduard ist hingerissen und die rätselhafte Schöne offenbar nicht abgeneigt. Dann sind die Ferien vorbei, einige Briefe wechseln, und Schwester Luise fordert von Eduard: Bewahre ihr Bild lebendig, „aber sie selbst lass Dir gestorben sein“.

Eduard tut, wie ihm geheißen. Als ein Jahr später Maria Meyer Kontakt zu ihm sucht, rettet er sich in die Dichtung. 1824 entstehen die berühmten Peregrina-Gedichte. In ihrer „Helldunkelheit“ bilden die Gedichte, so Mathias Mayer in seinem Buch „Mörike und Peregrina. Geheimnis einer Liebe“, „den innersten, freilich unglücklichen Kern von Mörikes poetischer Produktion“. Mayer trägt die spärlichen Fakten zusammen, erläutert kollektive Phantasmen der Zeit und die Phasen poetischer Verarbeitung. Seine genaue Lesart zeigt, wie weit man in der Germanistik ohne Fachchinesisch kommen kann. Das Buch ist ein intelligenter Bastard zwischen Biografie und Einführung in einen, vielleicht den zentralen Aspekt des Mörikeschen Werkes. Mehr Biografie braucht es nicht.

Mathias Mayer: Mörike und Peregrina. Geheimnis einer Liebe. C.H. Beck, München. 260 Seiten, 19,90 €.

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