Boxen : Angriff der Kiefernfresser auf Brandenburgs Wälder

Nonnenspinnerraupen fressen den Bäumen die Nadeln ab

Claus-Dieter Steyer

Beelitz-Heilstätten. Die Förster in vielen Revieren Brandenburgs sind besorgt: Millionen von Nonnen- und Kiefernspinnerraupen fressen derzeit die Nadeln ab und machen die Kiefern zu kahlen, bald absterbenden Stämmen. Insgesamt sind im Land rund 100000 Hektar betroffen, rund ein Zehntel des gesamten Waldes. Schwerpunkte liegen südlich Berlins, in der Lausitz, im Elbe-Elster-Land sowie in der Schorfheide nördlich von Groß Schönebeck. Auch in den angrenzenden polnischen Grenzgebieten sowie in Sachsen und Sachsen-Anhalt machen sich die Schädlinge über die Kiefern her. Da die Wälder großflächig aus bis zu 95 Prozent aus diesen Nadelbäumen bestehen, rechnen Forstexperten mit langfristigen Schäden.

Eine gewisse Abhilfe kommt seit dem Wochenanfang aus der Luft. Hubschrauber versprühen Pflanzenschutzmittel, um die Raupen zu töten. „Diese Stoffe sind für Menschen ungefährlich“, versicherte der Agrarstaatssekretär Dietmar Schulze am gestrigen Donnerstag in einem geschädigten Revier in der Nähe von Beelitz-Heilstätten. „Dennoch sperren wir die entsprechenden Waldgebiete vorsorglich für die Zeit der Flüge ab.“ Hubschrauber seien deshalb im Einsatz, weil sie im Unterschied zu größeren Agrarflugzeugen viel treffsicherer arbeiten könnten. Zunächst sind die am stärksten befallenen 42000 Hektar des Brandenburger Waldes für die Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ausgewählt worden. 750000 Euro kostet die fünf- bis sechswöchige Aktion. Danach entwickeln sich aus den Raupen harmlose Schmetterlinge.

Ohne die Bekämpfung der fresslustigen Insekten – an einer normalen Kiefer fressen rund zehntausend Raupen – wären viele Wälder wohl nicht zu retten. „Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat viele Bäume in eine extreme Stress-Situation versetzt“, erklärt Curt Majunke von der Landesforstanstalt Eberswalde. „Sie sind dadurch so geschwächt, dass ihre Selbstheilungskräfte nicht mehr ausreichen.“ Besonders ernst sei die Lage auf den in Brandenburg häufig anzutreffenden Sandböden. Diese können das wenige Wasser viel schlechter als normale Waldböden speichern. Im Vorjahr wurde im Landesdurchschnitt nur die Hälfte der üblichen Niederschlagsmengen gemessen.

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