Boxen : Ankläger: Strafen sind zu niedrig

Staatsanwaltschaft legt im Potzlow-Mordprozess Revision ein

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Neuruppin . Vier Tage nach dem Ende des Prozesses um den Mord an Marinus Schöberl hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin Revision gegen alle drei Urteile eingelegt. Die Strafen sind nach Auffassung der Ankläger zu niedrig, sagte eine Sprecherin der Justizbehörde am gestrigen Dienstag. Am Freitag der vergangenen Woche waren die drei angeklagten Rechtsextremisten, die Brüder Marco (24) und Marcel S. (18) sowie Sebastian F. (18) wegen besonders grausamen Mordes an dem Schüler Marinus Schöberl in Potzlow in der Uckermark zu Gefängnisstrafen zwischen zwei und 15 Jahren verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte Strafen zwischen knapp zehn Jahren und lebenslang beantragt.

Sebastian F. durfte direkt aus dem Neuruppiner Landgericht nach Hause gehen. Er bekam die geringste Haftstrafe, weil sich im Verlauf des Prozesses herausgestellt hatte, dass er an den Quälereien, aber nicht am Mord teilnahm. Von seiner noch nicht rechtskräftigen Strafe – zwei Jahre Jugendgefängnis – hat er schon elf Monate in Untersuchungshaft abgesessen. Die Staatsanwaltschaft wollte auch ihn zu neun Jahren und acht Monate Haft verurteilt sehen und legte deshalb sofort nach der Gerichtsentscheidung Beschwerde gegen die Aufhebung des Haftbefehls gegen den 18-Jährigen ein. Darüber wurde bislang noch nicht entschieden.

Viele fürchteten sich immer noch vor diesem 18-Jährigen, sagte die Frau des Pfarrers in Potzlow, Marita Reimer, am Dienstag. Sie bezeichnete das Urteil als skandalös. Am kommenden Freitag wird in dem Ort, wo Marinus im Juli 2002 getötet wurde, ein Gedenkstein aufgestellt. „Es ist eine Initiative der Gemeinde, damit die Tat nicht vergessen wird“, sagte die Pfarrersfrau. Die Verurteilten hatten den 16-Jährigen in der Nacht zum 13. Juli 2002 in einem Schweinestall des Dorfes stundenlang mit Schlägen und Tritten gequält und ihm schließlich tödliche Kopfverletzungen beigebracht. Tsp/dpa

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