Boxen : Anteilnahme in Brandenburg: Weitermachen, nicht erpressen lassen

thm/ma

Es ist der Tag danach. Und auch in Brandenburgs Politik und Alltag ist zu spüren, dass vieles anders ist als sonst: Mehr Polizei als sonst auf den Straßen, Privatfahrzeuge mit schwarzen Trauerbändern an Antennen. Unter den Umständen bedurfte es für vieles neuer Erklärungen. Etwa als Regierungschef Manfred Stolpe verdiente Brandenburger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik auszeichnete. Stolpe sagte, dass man überlegt habe, die Veranstaltung wegen des Angriffs auf die zivile Welt abzusagen. Doch dann sei man davon bewusst abgerückt, weil mit dem Orden Beiträge zum menschlichen Zusammenleben in der zivilen Gesellschaft gewürdigt würden.

Auch die Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Landtag wurde nicht abgesagt: Vertreter des US-Konzerns Intel präsentierten ihr Konzept für die in Frankfurt (Oder) geplante Chipfabrik. "Die Auswirkungen des Anschlages sind noch nicht absehbar, wir stehen alle unter Schock", sagte Günther Jünger, Geschäftsführer von Intel Deutschland dem Tagesspiegel. Man habe sich entschlossen, die Sitzung jetzt erst recht durchzuführen und mit einer Gedenkminute zu beginnen, sagte Wirtschaftsausschuss-Chef Heiko Müller (SPD): "Die freie Welt darf sich nicht erpressen lassen." Und, so Müller: "Niemand weiß, was das für die Weltwirtschaft und damit auch für uns bedeuten wird." Am Abend zuvor war der Koalitionsausschuss im Bayerischen Haus planmäßig zusammengetreten. Die Vertreter von SPD und CDU sprachen dort vor allem über die Horrornachrichten aus Amerika - und mögliche Konsequenzen. Emotional besonders betroffen reagierte Ex-General und Innenminister Schönbohm, als Stolpe die Nachricht im Kabinett verlas: "Das glaube ich nicht!" Dann die Fernseh-Bilder: Er habe, so Schönbohm tonlos, viele Freunde und Bekannte im Pentagon.

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