Arbeitskampf in Kliniken : Pflegekräfte streiken und protestieren

Beschäftigte bei Helios, Charité und Diakonie wollen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld. Heute haben Krankenschwestern und -pfleger mit Warnstreiks begonnen.

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Berlin - In den Helios-Kliniken in Buch und Zehlendorf wollen Schwestern und Krankenpfleger am heutigen Mittwoch die Arbeit niederlegen. In Dahlem sind zudem Proteste von Altenpflegern der Diakonie geplant. Nach monatelangen, ergebnislosen Tarifverhandlungen mit Helios ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten bundesweit in 17 Kliniken der Kette zu Warnstreiks auf: In den Berliner Helios-Häusern soll von 6.30 bis 8.30 Uhr (Buch) und von 13 bis 15 Uhr (Emil von Behring, Zehlendorf) gestreikt werden. Notdienstvereinbarungen wurden getroffen.

Verdi fordert höhere Löhne und mehr Nachtzuschlag, was ein Einkommensplus von sieben Prozent ergibt. Derzeit verdient eine Vollzeit-Krankenschwester bei Helios im Schnitt 2650 Euro brutto im Monat. Verdi vertritt Pflegekräfte, Techniker und Verwaltungsmitarbeiter. Helios gehört zum börsennotierten Konzern Fresenius. Am 18. April wollen Verdi und Klinikleitung weiterverhandeln.

Auch die Verhandlungen zwischen Helios und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund drohen zu scheitern. Die Mediziner am Helios-Klinikum in Buch sind erst diesen Montag in einen rund zweistündigen Warnstreik getreten. Die Ärztegewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn und ebenfalls bessere Vergütung der Nachtarbeit. Kürzlich hatten sich bundesweit fast 700 Helios-Ärzte bei der Konzernleitung über steigenden Arbeitsdruck beschwert. Das Klinikum Buch beschäftigt 2000 Mitarbeiter, in Zehlendorf sind es rund 550.

In der größten Universitätsklinik Europas laufen inzwischen Vorbereitungen für einen Vollstreik. Nach Tagesspiegel-Information wird am 2. Mai mit einem unbefristeten Ausstand der Pflegekräfte begonnen. Eine Charité-Schwester verdient im Schnitt knapp 2500 Euro brutto im Monat, Verdi fordert – wie anderenorts üblich – 300 Euro mehr. Die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und der Charité-Leitung für die 10 000 nichtärztlichen Beschäftigten waren kürzlich gescheitert. Verdi hatte daraufhin eine Urabstimmung eingeleitet. Die Stimmen werden am heutigen Mittwoch ausgezählt. Es wird mit einer Zustimmungsrate für den Streik von weit mehr als den benötigten 75 Prozent gerechnet.

Bessere Bezahlung fordern auch Beschäftigte der rund 50 Diakonie-Stationen. Laut Detlef Seeger von der Mitarbeitervertretung haben Pflegekräfte im ambulanten Dienst gegenüber Kollegen in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern der Diakonie Einkommenseinbußen bis zu 25 Prozent, da sie weniger Gehalt und weniger Zuschläge bekommen. Etliche Pflegestationen weigerten sich, vereinbarte Einkommenserhöhungen zu zahlen.Der Einstiegslohn einer angelernten Pflegekraft liege bei 9,17 Euro, sagte Kerstin Myrus von der Diakonie-Station Südstern. Nach Angaben von Verdi sind viele Beschäftigte auf ergänzende Leistungen nach Hartz IV angewiesen.

Am heutigen Mittwoch tagt der Diakonische Rat in Dahlem; parallel dazu hat Verdi am Mittag zu einer Protestaktion aufgerufen. Hannes Heine/Sigrid Kneist

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