Boxen : Arbeitslose für Airport-Jobs gesucht

Bildungsinitiative beklagt geringes Interesse

Klaus Kurpjuweit

Schönefeld - Tausende neue Arbeitsplätze soll der ausgebaute Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld bringen. Doch das Interesse dafür sei bisher gering, klagt Rainer Schillo. Er ist Geschäftsführer der Bildungseinrichtung Trainico in Schönefeld, die Arbeitslose für Berufe im Luftfahrtbereich fortbildet. Um wenigstens bei der Politik Druck zu machen, hat Schillo für den heutigen Freitag die Tagung „Initiative für Fachkräfteentwicklung im Luftverkehr“ initiiert, zu der mehr als 120 geladene Gäste im Flughafen erwartet werden. Dabei sind neben Vertretern von Unternehmen und der Arbeitsagentur auch Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) sowie Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf und Arbeitssenatorin Heide Knake-Werner (beide PDS).

Trainico bietet seit 1993 Fortbildungskurse für Arbeitslose an – und hat seither Probleme, genügend Teilnehmer zu finden. Schillo erklärt sich dies auch damit, dass die Region kein klassischer Luftfahrtstandort sei. Dass es reichlich Arbeitsplätze am Flughafen und in Luftfahrtunternehmen gebe, sei noch nicht im Bewusstsein vieler Menschen. Zurzeit suchen unter anderem die Lufthansa, Air Berlin oder Rolls-Royce in Dahlewitz neue Mitarbeiter. In Anzeigen bietet Trainico arbeitslosen Elektrikern oder Metallern neue Jobs an.

Die Kurse seien aber auch so wenig bekannt, weil die Arbeitsagenturen Arbeitslose nicht einfach zu Trainico schicken könnten, sagte Schillo weiter. Nach den Reformgesetzen dürften die Agenturen keine Bildungseinrichtungen empfehlen, um keinen Wettbewerber zu benachteiligen. Wer das Angebot nicht kenne, könne es aber auch nicht nutzen. Und schaffe ein Arbeitsloser doch den Weg zu Trainico, verweigere die Arbeitsagentur häufig die finanzielle Unterstützung für die Fortbildung, die zwei Jahre dauern kann.

Im vergangenen Jahr haben nach Schillos Angaben rund 700 Teilnehmer die Kurse erfolgreich absolviert. Über 90 Prozent seien auf einen festen Arbeitsplatz vermittelt worden. „Wir können den Teilnehmern oft zwei oder drei Stellen anbieten“, sagt Schillo.

Ob durch den Flughafen-Ausbau am Ende 10 000 oder, wie von der Flughafengesellschaft prognostiziert, 40 000 neue Arbeitsplätze im gesamten Umfeld entstehen, sei nicht so wichtig, meint Schillo. Entscheidend sei, dass sie mit Arbeitslosen aus der Region besetzt würden. Gebe es weiter zu wenig Interessenten, kämen die Neubeschäftigten eben von außerhalb. Die Tagung am Freitag solle dazu beitragen, dass es nicht so weit kommt.

Dass ein Trommeln für die Arbeitsplätze erfolgreich sein kann, hat Schillo im vergangenen Jahr bewiesen, als er unter anderem mit einem Schild „Arbeitslose gesucht“ vor dem Reichstag stand. Über tausend Interessenten hätten sich danach gemeldet.

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