Arbeitsplätze : Spatenstich gegen die Krise

Rolls-Royce baut Testzentrum für 65 Millionen Euro und schafft 100 Stellen. Ab 2010 sollen Techniker, neue entwickelte Turbinen, einzelne Komponenten und Materialien in Dahlewitz erforschen.

Claus-Dieter Steyer

Dahlewitz Dahlewitz - Erste Spatenstiche für große Industriebauten stehen nicht mehr sehr häufig auf dem Terminkalender der Landesregierung. Wenn sich dafür aber gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten tatsächlich einmal die Gelegenheit bietet, schreiten gleich der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister gemeinsam zur Tat. „Das ist ein gutes Signal gegen den Trend“, sagte denn auch Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) am Donnerstag, bevor er in Dahlewitz zwischen der südlichen Berliner Stadtgrenze und dem Autobahnring zum Spaten griff. „Rolls-Royce zeigt hier einen beispielhaften Mut.“ Gleich darauf setzten sich große Bagger in Bewegung, um für den britischen Triebwerkshersteller, den schon lange nichts mehr mit der noblen Automarke verbindet, das Fundament für ein großes Testzentrum zu bereiten. 65 Millionen Euro haben die Konzernchefs dafür bewilligt. Ab 2010 sollen hier bis zu 100 qualifizierte Techniker neu entwickelte Turbinen, einzelne Komponenten und Materialien erforschen.

Bereits 1993 eröffnete Rolls-Royce, damals noch im Verbund mit BMW, in Dahlewitz ein Werk für Flugzeugtriebwerke. Rund 200 Millionen Euro stecken in der Anlage, die heute 2000 Ingenieren, Arbeitern und Angestellten Beschäftigung gibt. Die hier produzierten Triebwerke für Geschäftsreisejets, ein britisches Aufklärungsflugzeug, eine hundertsitzige Boeing oder für die Airbusse A319 bis A321 machen einen wesentlichen Teil des Brandenburger Exports aus.

„Nicht zuletzt dank Rolls-Royce ist die Hauptstadtregion auf dem Weg zu einem großen Kompetenzzentrum für die Luftfahrtindustrie“, sagte Platzeck. „80 Unternehmen gehören inzwischen zu dieser Branche.“ Die Eröffnung des Großflughafens in Schönefeld 2011 werde einen neuen Schub auslösen. Doch schon jetzt sei es sehr wichtig, dass sich so ein „Global Player“ in Brandenburg wohlfühle.

Der Chef der deutschen Geschäftsführung, Michael Haidinger, gab das Kompliment gern zurück. „Unsere Wettbewerbsfähigkeit liegt vor allem an der guten Qualifikation der Mitarbeiter“, sagte er. „Die macht es möglich, dass wir immer effizientere und umweltfreundlichere Turbinen bauen können.“ Gute Kooperationen gebe es mit der Technischen Universität Cottbus und der Fachhochschule Wildau.

Dennoch hat auch Rolls-Royce, das weltweit 39 000 Beschäftigte in 50 Ländern zählt und Unternehmenszentralen in Großbritannien, den USA, Kanada, Skandinavien, China und Deutschland unterhält, Entlassungen angekündigt. „Ob die angekündigten Kürzungen auch die beiden deutschen Standorte betreffen, steht noch nicht fest“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Doch gestern in Dahlewitz war die Wirtschaftskrise vor aller Freude über den ersten Spatenstich kein Thema. Claus-Dieter Steyer

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