Boxen : "Arco": Keine Pizza beim Italiener im Tor

Claus-Dieter Steyer

Ein italienisches Restaurant ohne eine einzige Pizza auf der Karte? Zumindest im Osten kommt die Bejahung dieser Frage recht selten vor. Denn hier verkaufen die nach der Wende in den Städten und Dörfern so massenhaft aufgetretenen Italo-Lokale vor allem eins: Pizza in allen Varianten. Unwillkürlich setzte sich dadurch der Eindruck fest, dass die Küche jenseits der Alpen nur aus solchen belegten Teigplatten bestehen würde. Erst die Urlaubsreise oder der Besuch bei einem wahrhaften italienischen Meisterkoch korrigierten das Bild.

Nicht nur in dieser Hinsicht sitzt der Gast im Potsdamer Restaurant "arco" im Nauener Tor an der Friedrich-Ebert-Straße und in unmittelbarer Nähe zum Holländischen Viertel am richtigen Ort. Der aus Neapel stammende Chef bietet eine erstaunliche Vielzahl von Gerichten. Zusätzlich verschafft die Enge im denkmalgeschützten Bauwerk dem Gast ungewöhnliche Einblicke. Denn das Reich des Koches ist von den meisten Plätzen direkt einsehbar. Hier kann also beim Frischegrad der Speisen nicht geschummelt werden. Ein Gewirr aus Schalen und Töpfen voller Zutaten befindet sich in der Vitrine und auf den Tischen neben dem Herd.

Daraus entstehen beispielsweise "Casarecce" - hausgemachte Nudeln mit frischen Pfifferlingen in Kräutersauce (18,50 Mark), "Tagliatelle" - Bandnudeln mit Lammfilet und Steinpilzen in Sahnesauce (18,50 Mark) oder Gnocchi mit Mozarella und frischen Tomaten (14,80 Mark). Diverse Vorspeisenplatten runden das Angebot ebenso wie eine breite Dessertauswahl ab. Kuchen mit Eis - genau wie es vor allem in Venedig üblich ist - lautet hier die Empfehlung. Wer bei einem Besuch möglichst viele Speisen probieren will, sollte sich den Sonntagvormittag vormerken. Dann gibt es für 14 Mark ein Frühstücksbuffet "quer durch Italien".

Auf seine Pizza-Kollegen ist der Neapolitaner nicht gut zu sprechen. In Italien gebe es auch für diese Branche echte Meisterschaften. Doch in vielen Pizzerien gerade im Osten gebe es viel "Aufgewärmtes". Um seinen Umsatz braucht sich der seit vielen Jahren in Deutschland lebende Wirt zumindest abends und an den Wochenenden nicht zu sorgen. Da herrscht meist dichtes Gedränge. Das wird wohl zumindest in den nächsten Monaten nicht weniger, da nun auch die Freiluftplätze vor dem Tor wegfallen. Nur abgehärtete Gäste saßen auch in dieser Woche noch vor der Kulisse des 1755 gebauten Nauener Tores.

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