Boxen : Auf der Jagd nach großen Vögeln

Im Wald beiBrandplantein Berliner einen Volierenpark für Adler, Falken und Geier

Jeannette Krauth

Brand – Bernd Wesener hat einen Traum. Adler am Himmel. Nicht nur seinen, einen Adler namens Heino, sondern hunderte. Und Falken. Davor sieht er staunende Menschen stehen. Denen er von Dschingis Kahn erzählt, der sein Heer von Jagdfalken habe versorgen lassen. Oder von den tausend Greifvögeln Kaiser Barbarossas. Wie gefährdet diese Tiere heute überall auf der Welt seien. Und zugleich fliegen all diese Vögel vor den Augen der Menschen vorbei – in Bernd Weseners Vogelpark.

Noch hält der 46-jährige Berliner nur fünf Greifvögel im heimischen Garten in Lankwitz. Im Frühjahr 2006 aber will Bernd Wesener, Vogelfreund und Diplomingenieur, Europas größten Greifvogelpark eröffnen. In Brand (Kreis Dahme- Spreewald) hat er bereits ein 14 Hektar großes Waldstück gekauft. Dort sollen 200 Voliere und 100 Flugdrahtanlagen aufgebaut werden. Bei dieser Haltungsform ist der Vogel an einer elastischen Leine befestigt, die ihm erlaubt, auf verschiedene Sitzplätze zu fliegen. Schon Ende September sollen die ersten Lastwagen mit Volieren aus Bayern anrollen.

Denn den Vogelpark gibt es größtenteils schon. Im bayerischen Wörishofen führt Herbert Schmidt seit vielen Jahren die „Falknerei Adlershorst“. Dreihundert Greifvögel von mehr als 30 verschiedenen Arten sind dort beheimatet. Schmidt suchte seit Jahren einen Nachfolger. In Bernd Wesener hat er ihn gefunden. Dass der Vogelpark dafür nach Brandenburg umziehen muss, liegt auch daran, dass die Vögel in Bayern durch Fallschirmspringer nervös gemacht werden. Und seit der München-nahe Fallschirmspringer-Flugplatz eine Autobahnanbindung hat, werden die immer mehr – inzwischen sollen es 1800 pro Wochenende sein.

4,8 Millionen Euro braucht Wesener für den Park. Die Finanzierung sei „so gut wie in trockenen Tüchern“, sagt er. Vor zehn Jahren ist der ehemalige Jäger auf die Falknerei umgestiegen. Was wohl schöner sei, fragt Wesener, als die eleganten Jagdszenen, wenn ein Adler einen Hasen verfolge. Täglich fährt er mit seinen Vögeln raus nach Brandenburg. Adler Heino, die Falken Wanda und Asturia und auch der Uhu Julchen kommen zu Wesener zurück, wenn er sie fliegen lässt. Nur Mirko muss das noch lernen, der Schwarzminar ist erst dieses Jahr geschlüpft. Als Belohnung für gute Flugleistungen gibt es – tote – Hühnerküken. Ab Herbst, wenn die Schonzeit vorüber ist, dürfen die Vögel auch wieder richtig jagen. Adler können selbst junge Füchse erlegen. Falken sehen es eher auf wilde Ringeltauben ab.

Drei Ziele will Wesener mit dem Greifvogelpark in Brandenburg verfolgen: Artenschutz durch Nachzucht betreiben, über die Lebensweise der Vögel aufklären und die Menschen für die Natur sensibilisieren. Denn alle Greifvogelarten stehen auf der roten Liste, sagt Bernd Wesener. In Berlin gebe es beispielsweise nur noch zwanzig Sperberpaare, und erst bei der dreifachen Anzahl könne man von einem gesicherten Bestand sprechen. Die Zucht ist teilweise sehr schwierig. So etwa beim Andenkondor: Nur alle zwei Jahre legen dessen Weibchen ein einziges Ei.

Natürlich sind Flugshows der Vögel geplant. Aber auch Labore für Wissenschaftler sollen entstehen. In Bayern arbeitet der Vogelpark mit Universitäten aus München, Essen und auch mit dem Institut für Veterinärmedizin der Berliner Humboldt-Uni zusammen. Das soll fortgesetzt werden.

Durch den Park sollen Infotafeln führen. Den Besucher erwarten Übernachtungsmöglichkeiten, ein Restaurant mit Wildspezialitäten nach alten Rezepten und ein Souvenirshop. Alles für einen Eintritt von fünf bis acht Euro. In fünf Minuten ist der Besucher vom Regionalbahnhof Brand zum Vogelpark gelangt – und die Badelandschaft „Tropical Islands“ liegt in direkter Nachbarschaft.

Kaiser Barbarossa übrigens wählte seine Minister danach aus, ob sie gut mit Tieren umgehen konnten. Diesen sprach er ein gerechtes Wesen zu. Deshalb des Falkners Tipp an eine neue Regierung: Vorher mal im Vogelpark reinschauen – und wer dort gut mit den Vögeln könne, möge einen Posten bekommen.

Weitere Informationen unter www.falknerei-adlershorst.de

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