Boxen : Aufbruch zum neuen Ufer

Die Wasserkante am Heiligen See bröckelt ab, jetzt wird sie saniert – nach historischem Vorbild und neuen Plänen eines Berliner Studenten

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Hunde, Badende und Entenfütterer haben dem Ufer des Heiligen Sees übel zugesetzt, sie trampeln die Erdwälle nieder mit schlimmen Folgen: An dem Gewässer am Neuen Garten in Potsdam brechen Teile aus der Wasserkante, teilweise müssen schon Wege gesperrt werden. Die Gefahr ist erkannt, jetzt wird gehandelt: Auf einem 300 Meter langen Abschnitt hat die Sanierung begonnen. Für zwei Jahre bleibt das Ufer zwischen dem Roten und dem Grünen Haus in der Nähe von Schloss Cecilienhof hinter einem Zaun geschützt.

„In dieser Zeit wollen wir die Uferlinie wieder wie auf den historischen Plänen herstellen“, sagt Gartendenkmalpfleger Gerd Schurig von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. „Die Erosion hat doch zu vielen Abbrüchen geführt.“ Da zwei in den vergangenen Jahren getestete Verfahren nicht den hundertprozentigen Erfolg gebracht hätten, habe sich die Stiftung zu einer völlig neuen Methode entschlossen. Dieses Verfahren geht auf eine Diplomarbeit eines Wasserbau-Studenten der Technischen Universität Berlin zurück.

Unter der Seeoberfläche werden dabei an der Vorderkante des Ufers Steinwalzen gelagert, um dem Wasser die Kraft zu nehmen. Darauf wird Bodenmaterial aufgeschüttet. Vegetationsmatten verhindern ein Abrutschen der Konstruktion. Sie fördern außerdem das Anwachsen von Stauden, die im Frühjahr gepflanzt werden. Der Zaun sichert ihnen zwei ungestörte Vegetationsperioden. Die meisten Arbeiten erfolgen mit Pontons vom Wasser aus. Dieses Verfahren sei ökologisch wie denkmalpflegerisch vertretbar, sagte Gerd Schurig. Wenn es sich bewährt, könnten auch andere bereits abgebrochene oder gefährdete Bereiche am zwei Kilometer langen Ufer des Heiligen Sees danach saniert werden. Die ersten 300 Meter kosten rund 130 000 Euro. Zur einen Hälfte bringt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt das Geld auf, die andere zahlt die Schlösserstiftung.

Der Neue Garten geht auf Friedrich Wilhelm II. zurück, der 1787 mit dem Bau des Marmorpalais begann und den Park am bis heute einzigartigen Heiligen See anlegen ließ. Das östliche Ufer, wo heute viele Prominente wohnen, war damals unbebaut und glich einer ländlichen Idylle. Badende Menschen und Hunde bereiteten den Parkwächtern damals keine Sorgen.

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