Boxen : Aus Saarow wird Sylt – es dauert nur etwas länger

Zum Prominenten-Bad wollte der Ort am Scharmützelsee werden. Nach mehreren Rückschlägen geht es nun voran

Claus-Dieter Steyer

Bad Saarow. Nie mangelte es in dem kleinen Kurort Bad Saarow am Scharmützelsee in den vergangenen zehn Jahren an Optimisten. Immer wieder war vom großen Durchbruch die Rede, von einer beispiellosen Nachfrage nach Baugrundstücken, vom Anknüpfen an die Zeiten vor dem Krieg, als Bad Saarow die Prominenten aus Berlin scharenweise anzog. Unvergessen der Ausspruch des ersten Kurdirektors nach der Wende, Bad Saarow werde „schöner und exklusiver als Sylt“.

Doch schon vor mehr als einem Jahr hat der aus dem Westen stammende Mann den einst so hoch gelobten Ort verlassen. Viele Dinge gingen zu langsam, klagte er, zu viele Bremser hätten ihm das Leben schwer gemacht. Und tatsächlich gab es etliche Rückschläge: So sollte auf dem Grundstück des in den letzten Kriegstagen abgebrannten Kurhauses Esplanade ein Hotel gleichen Namens entstehen. Baubeginn war 1998. Doch finanzielle Schwierigkeiten des privaten Eigentümers führten zur Einstellung der Arbeiten, die Hotelkette SAS Radisson, die das Haus betreiben wollte, sprang ab. Direkt an der Kurpromenade stand eine Bauruine, und niemand wollte angesichts des traurigen Anblicks noch an den Aufstieg Bad Saarows glauben.

Doch inzwischen hat sich das Bild gewandelt. „Wir gehen es jetzt ein wenig ruhiger an“, sagt Axel Walter, ehemaliger Bürgermeister und nun Chef der Kurgesellschaft. „Aber die Ziele von einem erfolgreichen Bad Saarow haben wir nicht aus den Augen verloren.“ Beispiel ist wieder das Esplanade: Bei der Zwangsversteigerung des halbfertigen Baus griffen die Berliner Unternehmer Dietmar Otremba und Dieter Hauert zu. Sie investierten 30 Millionen Euro, und im Frühjahr 2003 wurde in Bad Saarow das Schwesterhotel des Berliner Esplanade eröffnet. Heute ist der Direktor des Vier-Sterne-Hauses, Peter Hoeck-Domig, sehr zufrieden: Ohne vorherige Anmeldung seien kaum freie Termine in dem 3500 Quadratmeter großen Wellness-Bereich zu erhalten. Und auch die 191 Zimmer des Hotels seien oft ausgebucht.

Das wohl auch deshalb, weil derzeit kein großer Konkurrent die Geschäfte des Esplanade stört. Das ehemalige Kempinski-Hotel im südlichen Teil von Bad Saarow bleibt bis zum 1. Mai oder gar 1. Juni nächsten Jahres geschlossen. Bis dahin soll der ursprünglich 1600 Quadratmeter große Wellnessbereich mehr als verdoppelt werden. Das Haus, das den etwas ungewöhnlichen Namen „Das Brandenburg“ trägt, wird dann erneut von einem anderen Eigentümer geführt: Das Rostocker Unternehmen Arkona AG hat das Fünf-Sterne-Luxus-Hotel übernommen und will nun vor allem mit den vielen Sportmöglichkeiten endlich erfolgreich sein.

Damit nicht genug. Das 4000 Einwohner zählende Bad Saarow am „märkischen Meer“, wie Fontane den Scharmützelsee taufte, hat heute rund 1600 Hotelbetten – die in diesem Jahr von Frühjahr bis in den Herbst hinein meist ausgebucht waren. „Viele Gäste, gerade aus Berlin, wollten das nicht glauben“, erzählt Esplanade-Direktor Hoeck-Domig.

Es geht also voran in Bad Saarow. Vor zwei Tagen eröffnete das große Thermalbad seine vergrößerte Sauna-Landschaft. 320 000 Besucher erwartet das Bad für 2003 – selbst der heiße Sommer hat ihm nicht geschadet, sogar mehr Gäste als in den Vorjahren beschert. „Viele Menschen wollen eben nicht nur baden gehen, sondern dabei auch etwas für ihre Gesundheit tun“, erklärt Kurdirektor Walter. „Das können sie im Thermalbad.“

Und weiteres Wachstum wird erwartet: „Neben den zwei großen Häusern brauchen wir noch mehrere im Mittelklassesegment“, sagt Walter. „Vier Hotels mit insgesamt 900 bis 1100 Zimmern wollen wir noch bauen lassen.“ Am weitesten ist das Projekt einer Anlage auf der Halbinsel Werl vorangeschritten, wo 2006 die ersten Gäste logieren sollen. Um eine gute Auslastung auch dieser Häuser macht sich Walter keine Sorgen: Das ehemalige Militärkrankenhaus in Bad Saarow, das heutige Humaine-Klinikum, plane ab 2007 eine neuartige Krebsbehandlung. Diese werde aber von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen; die Patienten müssen sich ein Zimmer nehmen und es selbst bezahlen. 21 Tage soll die Therapie dauern, je 150 bis 200 Patienten würden gleichzeitig behandelt, erwartet das Klinikum.

Nur der etwas heruntergekommene Bahnhof mit den 1911 im Landhausstil eröffneten Säulenhallen könnte noch einen besseren Eindruck machen. Doch auch für seine Renovierung ist schon eine Spendenaktion geplant.

0 Kommentare

Neuester Kommentar