Ausstellung : Leichenschau in Guben schließt

2010 soll das umstrittene Plastinarium als Bildungsinstitution wieder öffnen. Die Hälfte der Beschäftigten ist bereits entlassen - Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten machen die Runde.

Sandra Dassler
guben
Leichenpräparator. 2006 eröffnete Gunther von Hagens das Plastinarium. -Foto: dpa

Guben - Die Nachricht kam überraschend: Leichenpräparator Gunther von Hagens ließ am Freitag über seine Pressestelle in Heidelberg mitteilen, dass die umstrittene Leichenschau in Guben ab Januar 2009 schließt. Sie soll bislang angeblich mehr als rund 100.000 Besucher gehabt haben.

Allerdings sei die Schließung der Ausstellung nur vorläufig, wie es in der Mitteilung weiter heißt: Um seine „Spitzenposition als einzigartige Bildungsinstitution“ auszubauen, werde das Plastinarium umstrukturiert und als „modernisiertes anatomisches Bildungszentrum im Mai 2010 wieder eröffnet“. Dann sollen Schülern, Heilberuflern, Ärzten und medizintechnischen Unternehmen praxisnahe Ausbildungs- und Forschungsmöglichkeiten angeboten werden, zum Beispiel Operationstraining für Ärzte oder Prothesenentwicklung für Patienten. Die Herstellung von Körperscheiben oder Ganzkörperpräparaten aus menschlichen Leichen werde aber weiter die Hauptaufgabe sein.

Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) schien von der Meldung ebenfalls überrascht. Er habe von Hagens nicht erreichen können, da er sich in New York befinde, sagte er dem Tagesspiegel: „Seine Mitarbeiterin hat mir im persönlichen Gespräch aber versichert, dass sich die Schließung nur auf die öffentliche Ausstellung und nicht auf den Standort bezieht. Ich gehe davon aus, dass keine Arbeitsplätze betroffen sind.“

Keine weiteren Arbeitsplätze, sollte das wohl heißen. Denn Gunther von Hagens hat bereits vor Wochen 67 von 130 deutschen Beschäftigten des Plastinariums entlassen und dies damit begründet, dass die Arbeitsagentur Cottbus die Verlängerung der Arbeitserlaubnis für drei chinesische Fachleute verweigert habe. Die Arbeitsagentur hatte das stets als Vorwand bezeichnet, da von Hagens bis zu diesem Zeitpunkt gar keinen Antrag auf Verlängerung der Arbeitserlaubnis gestellt hatte. Deshalb hatte es in Guben schon Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten des Plastinators gegeben.

Dass die Schließung der Leichenschau ausgerechnet verkündet wurde, als die Cottbuser Arbeitsagentur die nunmehr beantragte Aufenthaltsverlängerung für die drei Chinesen bewilligte, gibt diesen Gerüchten neue Nahrung.

Bürgermeister Hübner, der die Ansiedlung des Plastinariums gegen alle ethischen Bedenken und den Widerstand vieler wegen der erhofften Arbeitsplätze befürwortet hatte, sieht hingegen noch einen anderen Grund für die Schließung:  „Von Hagens Körperwelten-Ausstellung kommt nächstes Jahr nach Deutschland zurück“, sagt er: „Da will er sich vielleicht nicht selbst Konkurrenz machen. Das ist ja auch legitim.“ Sandra Dassler

0 Kommentare

Neuester Kommentar