Ausstellungen : "Rohkunstbau“ vor dem Aus

Die renommierte Ausstellung darf nicht mehr im Schloss Sacrow stattfinden – aber eine Alternative fehlt. Das brandenburgische Kulturministerium sieht keinen Handlungsbedarf.

Dirk Becker
Rohkunstbau Foto: ddp
Bereits vierzehn Mal präsentierte Gründer Arvid Boellert die Schau für zeitgenössische Kunst. -Foto: ddp

PotsdamDem renommierten brandenburgischen Festival für zeitgenössische Kunst „Rohkunstbau“ droht das Aus. Nachdem die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam eine Absage erteilt hat, auch in diesem Jahr das Schloss in Sacrow für eine geplante Ausstellung zur Verfügung zu stellen, steht der Gründer und künstlerische Leiter von Rohkunstbau, Arvid Boellert, ohne Alternativen da.

„Es gab Verhandlungen an verschiedenen Standorten in Brandenburg, doch ohne Ergebnis. Wir hatten nach dem Erfolg im vergangenen Jahr fest damit gerechnet, in Sacrow bleiben zu können“, sagte Boellert. Die schriftliche Absage der Stiftung Anfang Dezember habe nun sämtliche Planungen für das Festival über den Haufen geworfen.

Im vergangenen Sommer war Rohkunstbau mit der Ausstellung „Drei Farben – Blau, Weiß, Rot“ zum ersten Mal im Schloss Sacrow bei Potsdam zu erleben. Zuvor hatte das 1994 in Cottbus gestartete Festival über Jahre hinweg das Schloss von Groß Leuthen im Spreewald genutzt. Im Dezember 2006 wurde dieses Schloss dann überraschend verkauft.

Die Schlösserstiftung begründet die Absage mit Vermietungen für Filmaufnahmen. Außerdem würden die begrenzten Räumlichkeiten im Schloss dem Anspruch einer solchen Ausstellung nicht gerecht. „Wir haben schon im vergangenen Jahr mit Filmteams zusammengearbeitet, ohne uns zu behindern“, kontert Boellert. Unverständlich ist für ihn die Aussage, dass die Räume im Schloss für seine Ausstellung ungeeignet seien. „Stiftungsdirektor Hartmut Dorgerloh hat uns das Schloss 2007 angeboten“, sagt Boellert. Während der Ausstellungszeit im Sommer habe es nie Kritik oder Vorbehalte seitens der Stiftung gegeben. Schon damals habe sich die Festivalleitung um eine langfristige Nutzung des Schlosses bemüht – allerdings ergebnislos. Im vergangenen Oktober sei dann eine schriftliche Anfrage gestellt worden.

Arvid Boellert ist weiterhin um Gespräche mit der Stiftung bemüht. Doch bisher erfolglos. „Ich hoffe, dass wir noch einen Weg finden“, sagt er. Denn ohne Ausstellung in diesem Jahr, werde er keine Gelder bekommen und folglich seine Mitarbeiter verlieren. „Das wäre das endgültige Aus für Rohkunstbau und meine über 14-jährige Arbeit“, so Boellert, der in Berlin als Arzt tätig ist.

Die Schlösserstiftung will bei ihrer Absage bleiben. „Es hat sich im vergangenen Sommer gezeigt, dass eine solche Ausstellung in einem denkmalgeschützten Gebäude wie dem Schloss mit erheblichen Problemen verbunden ist“, sagt Pressesprecher Ulrich Henze. Dass Rohkunstbau nun keine Alternative habe und unter Zeitdruck stehe, könne nicht der Stiftung angelastet werden.

Das Brandenburgische Kulturministerium sieht keinen Handlungsbedarf. „Wir würden Rohkunstbau wie in den Vorjahren fördern“, erklärt Pressesprecher Holger Drews. Doch auf die Entscheidung der Schlösserstiftung könne und wolle man keinen Einfluss nehmen. Dirk Becker

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