Boxen : Bad Saarow: Blühende Landschaft

Claus-Dieter Steyer

Auf der ersten Runde brummt der Motor noch etwas schwer und ungleichmäßig. Hier noch ein bisschen Öl, da etwas Fett und schon läuft er wieder wie eh und je. Jetzt müssen nur noch die Fahrgäste kommen. Dann steht dem Start der Passagierschiffe in die neue Saison auf dem Scharmützelsee nichts mehr im Wege. Alle drei Dampfer liegen herausgeputzt abfahrtsbereit im Hafen von Bad Saarow. Mit leichter Verzögerung, weil die Eisschicht noch Anfang des Monats ungewöhnlich stark war, stechen sie nun wieder an jedem Wochenende in See. Am 31. März starten die täglichen Rundfahrten.

So wie im Hafen beginnen überall im rund eine Autostunde südöstlich Berlins gelegenen Kurort die Vorbereitungen auf die Geschäfte mit den Touristen, Ausflüglern und Kurgästen. Die gute Bilanz des vergangenen Jahres soll möglichst noch übertroffen werden. Allein im Ende 1998 eröffneten Thermalbad amüsierten sich im Jahr 2000 rund 400 000 Gäste, der größte Teil stammte aus Berlin. 265 000 Menschen nutzten darüber hinaus das Wellness-, Fitness- und Beauty-Angebot. "Bei mehr als 1000 Tagesbesuchern bleiben leider Wartezeiten besonders in Ferienzeiten nicht aus", sagt Kurdirektor Christian Kirchner. Doch er kündigt zumindest einen neuen Service an. Künftig können unter der Internetadresse www.bad-saarow.de die aktuellen Wartezeiten vor den Kassen abgelesen werden. Da kann dann schon vor der Abfahrt entschieden werden, ob sich ein Abstecher ins 36 Grad Celsius warme Heilwasser oder in die orientalische Sauna-Landschaft zum gewünschten Zeitpunkt lohnt.

Möglicherweise bleibt dann noch genügend Zeit, um die Abfahrt zu verschieben, das zweite Brandenburger Thermalbad in Templin oder eines der neuen Spaßbäder im Berliner Umland anzusteuern. Ursprünglich sollte es schon längst eine Entlastung der Therme direkt in Bad Saarow selbst geben. Denn hinter dem Hafen steht das fast fertig gestellte Vier-Sterne-Thermal-Hotel. Die SAS Radisson Gruppe wollte im vergangenen Frühjahr die Eröffnung feiern. Aber die Bauträgergemeinschaft Virnich KG zog sich vom Projekt auf dem Grundstück des einst berühmten und in den letzten Kriegstagen abgebrannten Hotels "Esplanade" aus finanziellen Gründen zurück. "Die Banken suchen einen neuen Investor", sagt Bürgermeister Axel Walther. "Vielleicht gibt es aber auch eine Zwangsversteigerung."

Pessimisten könnten bei dieser Gelegenheit gleich den Namen einer anderen Hotelkette ins Spiel bringen. Kempinski beendete am Jahresende sein Engagement in Bad Saarow. Das Konzept des Sporting Club Berlin, dem das große Haus und die meisten Sportanlagen gehören, entsprach nicht mehr dem eigentlichen Kerngeschäft, hieß es zur Begründung. Der Club habe seine Angebote im Golf, Segeln, Tennis und Reiten verstärkt mit der Vermittlung von Zimmern verbinden wollen. Kempinski aber biete vor allem ein Edelhotel. Also räumte es das Feld.

Neuer Betreiber der 1997 erbauten Luxusherberge ist die Palmerston-Gruppe, die vor allem in asiatischen Ländern rund 35 Golf-, Country- und City-Clubs betreibt. Kurdirektor Kirchner sieht den Betreiberwechsel als Chance und nicht etwa als Kratzer am Image. "Jetzt erhält der Gast alle Angebote aus einer Hand." Bad Saarow könne ganz gelassen bleiben. Die Erfolgsstory lasse er sich nicht kaputt reden.

Tatsächlich ist der Weg des Kurortes nicht nur in Brandenburg unvergleichlich, sondern wohl auch im ganzen Osten. 700 Millionen Mark, davon 150 Millionen Mark Fördermittel, sind im vergangenen Jahrzehnt verbaut worden. Dabei erntete der Kurdirektor noch 1995 viel Skepsis für seine Visionen, als er selbst einen Vergleich mit der Ferieninsel Sylt nicht scheute. Doch viel mehr als die Erinnerung an die Zeiten vor dem Krieg, als sich Max Schmeling, Anny Ondra, Maxim Gorki, Harry Liedke, Lida Baarova, Ernst Lubitsch oder Käthe Dorsch am Scharmützelsee vergnügten oder erholten, hatte die Gemeinde kaum zu bieten. Die russischen Streitkräfte hatten den gesamten Kurpark für ihr großes Sanatorium in Beschlag genommen. Badeanstalten, Straßen, Wege und viele Häuser waren renovierungsbedürftig. Heute lässt es sich wieder hübsch bummeln oder einkehren. Nicht zufällig fiel die Entscheidung für den ersten Brandenburger Tourismuspreis kürzlich auf Bad Saarow. Unter dem Motto "Urlaub soll Spaß machen" sei ein Kurort neuen Typs entstanden, hieß es zur Begründung.

Das außergewöhnlich gut harmonierende Ost-West-Gespann aus Bürgermeister Walther und Kurdirektor Kirchner sorgt immer wieder für bemerkenswerte Neuigkeiten. So beginnt Anfang Mai der erste Lehrgang im Tourismusinstitut, das im alten Moorbad seine Heimstätte fand. Zu diesem Zeitpunkt startet auch die so genannte Check-up-Kur, an der sich 13 niedergelassene Ärzte beteiligen. Eine Woche lang kann sich der privat zahlende Gast untersuchen, testen und beraten lassen.

Auch internationales Flair wird sich in diesem Jahr wieder einstellen. Nachdem im vergangenen Sommer Golfspieler aus 65 Ländern ihren Weltmeister kürten, treten nun Segler aus aller Welt gegeneinander an. Spätestens dann soll der Scharmützelsee wieder seinem Ruf als "Märkisches Meer" gerecht werden.

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